80 Zur Lehre yom Gemüt. „heiteren Stimmung“ in der Hand, das wir dann etwa noch als „Stimmung“ schlechtweg bezeichnen könnten. Nichteine Ausnahme ist es, wenn wir melancholische, heitere, schwer- mütige, selige Stimmung usf. haben, sondern wir haben nur allein und kennen daher auch nur allein solche „charakterisierte“ Stimmungen. Wie sollte sich denn wohl die Stimmung, die doch nie- mals Stimmung überhaupt, sondern immer eine besondere ist, als solche kundtun? Etwa in dem „Gr und ton“, wie Nah- lowsky schreibt? Aber was bedeutet dieses Wort hier zur Kennzeichnung von Stimmung überhaupt? Mit bloßen Worten ist keine Erklärung gegeben, und wenn ein Gegebenes auch selber „vage“ und „dunkel“ sein mag, so fordert es doch nicht zu seiner entsprechenden wissenschaftlichen Darstellung wiederum ein „vages“ und „dunkles“, sondern ein deutliches und klares Wort. Wir sind freilich mit Nahlowsky darin einerlei Meinung, daß in der Stimmung sich weder „bestimmte Sonder- gefühle“ noch „das klare Bewußtsein seiner veranlassenden Ursachen“ (falls wir diese Worte recht verstehen) finden, und zwar das Erste nicht, weil überhaupt der Augenblick der Stimmung nicht auch noch außerdem zugleich ein „Gefühl“ (— „bestimmtes Sondergefühl“) enthalten kann; warum aber das Zweite nicht, das werden wir später noch besonders darlegen. Was jedoch heißen solle, die Stimmung sei „der lediglich durch seinen Grundton charakterisierte Kollektivzustand des Ge- müts“, ist uns an und für sich zunächst unverständlich; sehen wir uns weiter um, so finden wir, daß Nahlowsky diesen „Kollektivzustand des Gemüts“ zu erläutern sucht durch einen „dunklen Komplex vager Einzeigefühle, in welchem das Spezi- fische der einzelnen Regungen verwischt, und nur ihr gemein- samer Grundton enthalten ist“: eine Erläuterung indes ist uns dies keineswegs. Schon früher haben wir nachgewiesen, daß die Annahme vom Zugleichgegebensein mehrerer Gefühle d. i. von mehrerem Zuständlichen in einem und demselben Bewußt- seinsaugenblicke und daher auch mehrerer „Gefühle“ d. i. be- sonderer Zusammen von Zuständlichem und Gegenständlichem unbegründet und fruchtlos sei. Die Behauptung „Komplex