78 Zur Lehre vom Gemüt. sein oder nicht, ein Unterscheidungszeichen der Stimmung sein kann, denn wir kennen beides, sowohl die kurz als auch die lang dauernde Stimmung. Mit der Unterscheidung nach dem Grade des Zuständ- lichen zur Bestimmung des angeblichen besonderen „Gefühls“, als das man die Stimmung begreifen möchte, steht es nicht weniger schlecht. Wenn man etwa, wie Nahlowsky es tut, das Verhältnis von Stimmung und „Gefühl“ mit dem Ver- hältnis von „Gemeinempfindung“ und „Lokalempfindung“ ver- gleicht, so kann man wohl darauf verfallen, das „Gefühl“ für das „Intensivere“ gegenüber der Stimmung auszugeben; indessen auch dieses stimmt nicht mit den Tatsachen überein, und wir sind um Fälle nicht verlegen, in denen die Stimmung einen sehr starken Grad zeigt, man denke nur an die „ausgelassene“ oder an die „gedrückte“ Stimmung. Uen Unterschied zwischen Stimmung und „Gefühl“ klar zu zeichnen, versagen aber nicht nur diese zwei besonderen Versuche, sondern auch andere, die von Nahlowsky,1) A. Leh- mann2) und Th. Ziegler3) angestellt worden sind. Da Lehmann und Ziegler im Großen und Ganzen mit Nahlowsky überein- stimmen, so sei nur des Letzten Versuch hier eingehender behandelt. Nahlowsky setzt die Stimmung unserem „Gefühl“, das er dann „das einzelne Sondergefühl“ nennt, gleichsam als „Gemeingefühl“ gegenüber, was ihn eben auch zu der schon erwähnten Analogie von „ Gemeinempfindung und Lokal- empfindung“ führt; er schreibt: „Unter Stimmung verstehen wir jenen lediglich durch seinen Grundton charakterisierten Kollektivzustand des Gemütes, welcher (in der Regel) weder das Hervortreten bestimmter Sondergefühle noch das klare Bewußtsein seiner veranlassenden Ursachen gestattet“, „Stimmung ist ein dunkler Komplex vager Einzelgefühle, in welchem das Spezifische der einzelnen Regungen verwischt und nur ihr gemeinsamer Grundton *) a. a. 0. S. 234 f. 2) a. a. 0. S. 60f. *) a. a. 0. S. 204.