72 Zur Lehre vom Gemüt. gestellt und dahin bestimmt, daß wir jenem Gegenständlichen das vermeintlich allein die „besondere“ Bedingung des Zuständ- lichen seines Bewußtseinsaugenblickes ausmachen soll, aller¬ dings den Löwenanteil an dieser Bedingung des Zuständlichen zuerkennen müssen, weshalb wir es als das „maßgebende“ Gegenständliche bezeichnet haben. Und wir meinen, insonder¬ heit falle diesem besonderen Gegenständlichen zur Last, welcher Art das Zuständliche, das mit ihm verknüpft auf- tritt, sei, ob nämlich Lust oder Unlust, während das übrige Gegenständliche dieses Bewußtseinsaugenblickes, mit dem das betreffende Zuständliche selbstverständlich, als doch auch von ihm bedingtes, ebenfalls verknüpft ist, mit jenem maßgebenden zusammen den besonderen Grad des Zuständlichen bedingt. Nun ist es in der Tat nicht schwer, festzustellen, daß in unserem Seelenleben gar viele Augenblicke sich finden, in denen wir kein „Gefühl“ haben d. h, in denen sich uns unter dem Gegenständlichen kein „maßgebendes“ bietet, also keines, dem wir es einfach zuschreiben, daß es die gegenwärtige Lust oder Unlust „bewirkt“ habe, das wir also gleichsam allein ver¬ antwortlich dafür machen, daß wir diese Lust oder Unlust haben. Es sind die einem Jeden wohlbekannten Augenblicke — die ja oft, nach dem Zeitmesser bestimmt, selbst von recht langer Dauer sind —, in denen wir fröhlich oder traurig sind d. h. eine oft gar nicht geringgradige Lust oder Unlust haben, „ohne zu wissen, warum wir fröhlich oder traurig sind“ d. i. ohne aus dem mannigfaltigen Gegenständlichen ein besonderes als die Lust- oder Unlustquelle bestimmen zu können, wie es doch in anderen Fällen, die wir eben als die Fälle des „Gefühls“ be¬ zeichnen, von uns ohne Zögern und mit der Sicherheit voller Überzeugung geschieht. Ich meine nun nicht fehl zu gehen, wenn ich behaupte, daß der Sprachgebrauch für solche Fälle, die dem betreffenden Bewußtsein unter seinem mannigfaltigen Gegenständlichen des Augenblickes ein „maßgebendes“ für das Zuständliche dieses Augenblickes nicht zeigen, so daß man „nicht weiß, warum man fröhlich oder traurig sei“, das Wort „Stimmung“ zur Verfügung hat. Ist von einer „Stimmung“ die Rede, so betrifft dies selbst¬