68 Zur Lehre vom Gemüt. Vorhandensein des bestimmten „Gefühls“ doch bestehen, weil wir mit voller Berechtigung davon ausgehen können, solche Leibesveränderungen seien beim Fehlen hemmender Umstände tatsächlich die sicher eintretende Folge von „Gefühlen“ überhaupt. Ganz anders stände freilich die Sache, wenn diejenigen Recht hätten, nach denen die Leibesveränderungen nicht die Wirkung, sondern vielmehr die wirkende Bedingung der „Ge- fühle“ sein sollen und sich damit in vollen Gegensatz zu der hergebrachten Auffassung setzen. Nach dem Vorgänge des Amerikaners W. James, der aber diesen Standpunkt allerdings später wieder verlassen hat, ist besonders der Däne C. Lange in seinem Buche „Über Gemütsbewegungen“ und dann auch der Italiener G. Sergi in seinem Buche; „Principi di psicologia; dolore e piacere“ mit der Behauptung hervorgetreten, daß diese in Rede stehenden körperlichen Veränderungen nicht die Wirkung, sondern die wirkende Bedingung bestimmter „Gefühle“ seien. Diese Forscher haben in erster Linie den Fehler begangen, daß sie zwischen den leiblichen Verände- rungen, welche die physische Bedingung der „begleitenden“ Körperempfindung im „Gefühle“ sind, und denjenigen leiblichen Veränderungen nicht unterschieden, die unter dem Namen „Ge- fühlsäußerungen“ uns bekannt sind. Erst dieses Zusammen- werfen der zwei verschiedenen leiblichen Veränderungen hat es ermöglicht, daß diese Psychologen sich in so auffallenden Gegen- satz zu der althergebrachten Auffassung, nach der die sogenann- ten Gefühlsäußerungen Wirkungen der „Gefühle“ sind, setzten. Wir müssen freilich dem beipflichten, daß jene leibliche Veränderung, die, wie wir wissen, die besondere wirkende Be- dingung der „begleitenden“ Körperempfindung im „Gefühle“ ist, mit Recht zu der wirkenden Bedingung dieses „Ge- fühls“ gerechnet werden darf. Sofern sich jene Psychologen demnach gegen eine Meinung kehren, nach der die „beglei- tenden“ Körperempflndungen und das will selbstverständlich auch sagen deren physische Bedingung (gewisse leibliche Ver- änderungen) die „Folgeerscheinung“ eines „Gefühls“, das bloß aus „maßgebendem“ Gegenständlichen und aus Zuständ- lichem gebildet wäre, sein sollte, so stehen wir ganz auf ihrer Seite. Aber wir können diese Stellung doch nur so lange be-