Zur Lehre vom Gemüt. 67 empfindung als Bestimmtheitsbesonderheit des Bewußtseins anzusetzen. Die Zergliederung der „Gefühle“ lehrt, auch wenn wir sie uns zunächst nur durch ihr Zuständliches und ihr „maß- gebendes“ Gegenständliches klar machen, daß doch die „be- gleitende“ Körperempfindung schon von vornherein immer mit darin ist. Nicht das „Gefühl“ im Sinne eines Zusammens, das nur etwa das maßgebende Gegenständliche und das Zuständliche umfaßte, wirkt überhaupt erst die „begleitende“ Körper- empfindung, sondern bei jedem „Gefühl“ ist diese schon stets mitgegeben. Das Gefühl der Furcht bewirkt nicht erst die Schlaffheitsempfindung, das „Gefühl“ des Schreckens und der „Ehrfurcht“ nicht erst die Empfindung des Schauders, das „Gefühl“ des Stolzes nicht erst die Spannungsempfindung, sondern diese Körperempfindungen sind von Anfang an in den „Gefühlen“ selber mitenthalten. Mit diesen begleitenden Körperempfindungen in den „Ge- fühlen“ ist deshalb auch nicht zusammen zu werfen, sondern bestimmt zu unterscheiden, was man die „Gefühlsäußerungen“ zu nennen pflegt. Unter diesen verstehen wir Veränderungen des menschlichen Leibes, die allerdings mit den „Gefühlen“ sicherlich Zusammenhängen. Es sind die in erster Linie für den beobachtenden Dritten wahrnehmbaren Veränderungen des Leibes, die von bestimmten „Gefühlen“ des mit diesem Leibe verbundenen Bewußtseins dem Beobachter Kunde geben, also „nach Außen“ d. h. für ein anderes Bewußtsein als Anzeichen dafür dienen, welches be- sondere „Gefühl“ dem betreffenden Bewußtsein wohl eigen ist. Nach unserer Erfahrung sind diese Leibes Veränderungen in innigem Zusammen mit den „Gefühlen“ des in Frage kom- menden Bewußtseins gegeben, so daß wir von dem Dasein be- stimmter Leibes Veränderungen auf das Dasein bestimmter „Gefühle“ zu schließen berechtigt sind, wenn wir den Fall ausnehmen, daß jenes Bewußtsein als Wille das Auftreten der Gefühlsäußerung, z, B. ein Lachen, ein Stirnrunzeln u. a. m„ unterdrückt. Ist nämlich das Unterdrücken solcher Gefühls- äußerung auch möglich, so läßt diese Tatsache den Schluß vom Auftreten einer sogenannten Gefühlsäußerung auf das 5*