Zur Lehre vom Gemüt. 63 Bedenken erregen, eben dieselbe Einteilung nach dem Ein- teilungsgrund eines Zusammens, das nur aus Lust oder Un- lust und „begleitendem“ Gegenständlichen bestände, gewinnen zu wollen. Könnte sie sich tatsächlich doch nur auf das be- gleitende Gegenständliche und nicht auch auf das Zuständliche (Lust oder Unlust) mit gründen, da wir sowohl „ästhetische“ Lust als auch „ästhetische“ Unlust, sowohl „intellektuelle“ Lust als auch „intellektuelle“ Unlust usf. kennen. Ob nun die „begleitenden“ Körperempiindungen in der Tat bei den sogenannten ästhetischen, intellektuellen usf. Gefühlen und für jede dieser Gruppen derartig besondere sind, daß sie für sich allein schon als kennzeichnendes Merkmal einer jeden besonderen Gruppe dienen können, läßt sich freilich noch nicht von vorn- herein verneinen. Aber die Untersuchung der verschiedenen „Gefühle“, die auch schon nach ihrem „maßgebenden“ Gegen- ständlichen eingeteilt in den Gruppen der ästhetischen, der intellektuellen usf. „Gefühle“ auftreten, belehrt uns bald, daß hier ebensowenig, wie von einem kennzeichnenden besonderen Gefühle, von einem kennzeichnenden „begleitenden“ Gegen- ständlichen für jede der verschiedenen Gruppen dieser „Ge- fühle“ mit Grund die Rede sein könne. Die „begleitenden“ Körperempflndungen erweisen sich vielmehr in den „Gefühlen“ der verschiedenen Gruppen vielfach nicht nur ähnlich, sondern sogar völlig als dieselben, so daß es deshalb schon hinfällig wird, sie als Einteilungsgrund benutzen zu können, um durch sie jene Einteilungsglieder des „Gefühls“, ästhetisches, intellek- tuelles „Gefühl“ usf., zu erzielen. Die Tatsache, daß moralische „Gefühle“ religiöse „Gefühle“ hervorrufen, die Tatsache ferner, daß ästhetische „Gefühle“ religiöse, sowie auch moralische „Gefühle“ wecken — worin anders ist sie begründet, als darin, daß zu diesen verschiede- nen „Gefühlen“ gleiche „begleitende“ Körperempfindungen ge- hören. Dies tritt z. B. zutage, wenn eine bestimmte Musik ein bestimmtes „ästhetisches Gefühl“ hervorruft und die „be- gleitende“ Körperempfindung dieses „Gefühls“ dann die ver- anlassende Bedingung für das Auftreten einer religiösen Vor- stellung wird, die früher mit der gleichen „begleitenden“ Körperempfindung in einem religiösen „Gefühl“ zusammen ge-