62 Zur Lehre vom Gemüt. bewußt sind, aber dieselben nicht einzeln und in logischer Ab- folge zu produzieren vermögen“ — so klingt dies wieder so, als ob unter Gefühl selber doch eigentlich nicht ein unklares Denken verstanden werden solle, sondern vielmehr eine zu- ständliche Bestimmtheitbesonderheit im Verein mit ihrer „begleitenden“ Körperempfindung, die von einem bestimmten Gedanken, der hier das „maßgebende“ Gegenständliche des Bewußtseinsaugenblicks bildet, abhängig ist. Dabei tritt aller- dings wieder das Bedenkliche heraus, daß ebendasselbe Gefühl mitsamt seiner „begleitenden“ Körperempfindung, das im Verein mit dieser auch den Namen „Gewißheitsgeiühl“ bekommt, das eine Mal mit einem „maßgebenden“ Gedanken, der, an der Wirklichkeit gemessen, als ein „irriges Denken“ sich heraus- stellt, verknüpft ist, das andere Mal aber mit einem Gedanken sich verbunden zeigt, der vor der Wirklichkeit als „richtiges Denken“ sich erweist. Dieses „Gewißheitsgefühl“ ist also mit nichten ein Wahrzeichen für die „Richtigkeit“ des „maßgeben- den“ Gedankens, weil ein solches „Gefühl“ eben sowohl die „un- richtigen“ Gedanken als auch die „richtigen“ Gedanken begleiten kann, aber unseres Erachtens doch auch die „richtigen“ Ge- danken nicht einmal allezeit begleitet. An dieses Gewißheits- oder Überzeugungsgefühl also zu „appellieren“ eben zu dem Zwecke, den maßgebenden Gedanken als „richtigen“ zu ver- kündigen, ist nicht angängig. Selbstverständlich anerkennen wir ein „Gewißheits- oder Überzeugungsgefühl“, aber dieses bedeutet uns nicht nur ein Zuständliches, als ob „Gewißheit“ und „Überzeugung“ einen besonderen Zug an einer besonderen Lust selbst darstelle, sondern es bedeutet jenes Zusammen von Lust und „begleitendem“ Gegenständlichen, der unklaren Körperempfindung, ein Zusammen das mit solchen „Gedanken“ vereint sich findet, die das Bewußtsein in diesem Augenblick für „gewiß“ hält, also von deren „Richtigkeit“ es „über- zeugt“ ist. Während wir die Einteilung des „Gefühls“ überhaupt in ästhetisches, intellektuelles usf., sofern das „maßgebende“ Gegenständliche den Einteilungsgrund hergibt, immerhin als eine mögliche anerkennen werden, wenn sie auch niemals völlig und sauber von uns durchzuführen ist, so muß es doch