48 Zur Lehre vom Gemüt. gebene ist „bestimmtes“ Gegebene und damit eben auch „be- schreibbar“. Von Seiten derjenigen Psychologen, die an eine zweite Besonderung des Zuständlichen außer der nach Grad und Art, also an der „Färbung“ des Gefühls, wenn diese auch „un- beschreibbar“ sein soll, festhalten, wird uns immerhin doch ein Wink gegeben, wie wir dieses Neue feststellen und so wenigstens zum „Fühlen“ desselben gelangen können. Die „Färbung“ soll es nämlich sein, die zu jener Einteilung der Gefühle, die von diesen Psychologen die „qualitative“ genannt wird, führe, und als deren Einteilungsglieder die körperlich- sinnlichen, ästhetischen, intellektuellen, sittlichen und religiösen Gefühle zu nennen seien. Man ersieht hieraus, wie nahe diese zweite Weise, den Sinn des Wortes „Gefühl“ weiter zu fassen, der ersten steht, ja, wir dürfen sogar behaupten, daß diese jene erste in sich schließt, und daß die erste andererseits ihre Anhänger gar leicht geneigt macht, auch die zweite aufzu- nehmen; man beachte nur die Worte „Gefühl der Angst, des Stolzes, des Neides“ usf., wie sie auf uns nach der Sprach- gewohnheit wirken. Die Meinung, jedes Zuständliche habe seine Besonderung nicht nur in Art und Grad, sondern auch noch in einer „Fär- bung“, ist vielleicht durch die Betrachtung jenes „Gefühls“ im Sinne des Zusammens von Gegenständlichem und Zuständ- lichem und im Besonderen durch die Betrachtung der Be- dingtheit des Zuständlichen von dem Gegenständlichen her- vorgerufen oder doch jedenfalls vorbereitet worden. Wenn, wie doch nicht zu leugnen ist, das Gegenständliche des Be- wußtseinsaugenblickes die „besondere“ Bedingung des Gefühls d. i. des Zuständlichen dieses Augenblickes bildet, so konnte der Gedanke sich leicht einfinden, daß das Gegenständliche bei seiner Mannigfaltigkeit noch eine andere Besonderung des jedesmaligen Zuständlichen neben Art und Grad der zuständ- lichen Bestimmtheit bedinge. Sehen wir aber auf die Bewußtseinstatsachen, so müssen wir gestehen, daß in ihnen kein Anlaß gegeben ist, noch eine andere Besonderung neben Art und Grad des Zuständlichen selbst zu behaupten. Wir finden in unserer Selbstbeobachtung,