Zur Lehre vom Gemüt. 39 Da es indes schwerlich Erfolg hätte, nach diesen verschie- denen Gehirnzuständen zu suchen, und da andererseits das verschiedene, durch sie gewirkte Gegenständliche des be- treifenden Bewußtseinsaugenblickes unschwer als Gegebenes festzustellen ist, so wenden wir uns schon aus diesem Grunde jenem Gegenständlichen zu, um es gleichsam in Stellvertretung für seine wirkenden Bedingungen, die verschiedenen gleich- zeitigen Gehirnzustände, als das notwendig mit dem Gefühl Zusammengehörige herauszustellen. Zwar ist diese Zu- sammengehörigkeit nicht die der mehreren und gleichzeitig gegebenen Gehirnzustände und des einen durch sie gewirkten Gefühles, also nicht die des Wirkenszusammenhanges, sondern vielmehr die der gleichzeitig eintretenden und durch dieselben Gehirnzustände gewirkten Bestimmt- heitsbesonderheiten einer Seele. Die so begründete Zusammen- gehörigkeit des besonderen Gegenständlichen und des mit ihm zugleich eintretenden Gefühles eines Seelenaugenblickes, die beide auf dieselben zugleich gegebenen Gehirnzustände als deren wirkende Bedingung gestellt sein läßt, gestattet uns füglich, von diesem Gegenständlichen als der „Bedingung“ des mit ihm zusammen eintretenden Zuständlichen zu reden, also zu erklären, daß das Zuständliche des einzelnen Seelen- augenblickes durch das mit ihm zugleich eintretende Gegen- ständliche „bedingt“ sei, insofern eben das eine ohne das andere gar nicht auftreten kann. In diesem Sinne nun ist demnach unsere schon früher ausgesprochene Behauptung zu verstehen, daß das Zuständ- liche, dieses eine und einfache Gefühl des einzelnen Seelen- augenblickes, von dem gesamten Gegenständlichen desselben Augenblickes „bedingt“ sei, daß also die gesuchte „besondere“ Bedingung für das Gefühl des einzelnen Bewußtseinsaugen- blickes das gesamte, in 'Wahrnehmung und Vorstellung vorliegende Gegenständliche des Bewußtseinsaugen- blickes ausmacht. Irgendein besonderes in Wahrnehmung oder Vorstellung vorliegendes Gegenständliche des Bewußtseins- augenblickes aus dieser „besonderen“ Bedingung des Gefühls auszuschließen, liegt keine Veranlassung vor, da offenbar der Grund dafür, daß das Gefühl durch die gegenständliche Be-