Zur Lehre vom Gemüt. B7 einzelnen Gefühle „die Lust die Unlust überwiegt“, z. B., wie sie meinen, in dem „Gefühl der Ehrfurcht oder der Erhabenheit“, so haben wir hier ja handgreiflich Fälle vor uns, in denen die Unlustvorstellung mit dem Unlustgefühl verwechselt ist. Es findet sich in jedem Augenblicke, der jenes Gefühl aufweist, das nach Lehmanns eigener Aussage den „Charakter der Lust“ tragen soll, neben dem besonderen Zuständlichen, dem einfachen Lustgefühl, immer zugleich auch eine Un¬ lustvorstellung als besonderes Gegenständliches in dem betreffenden Seelenaugenblicke. Auf die soeben gezeichnete doppelte Verwechselung können wir in der Tat ohne Schwierigkeit alle Behauptung von einem angeblich aus Lust und Unlust gemischten Ge¬ fühle zurückführen, und erfahrungsmäßig sicher gestellt zeigt sich immer wieder nur der Satz, daß das Zuständliche eines Seelenaugenblickes, das Gefühl, in jedem besonderen Falle ein einfaches, und zwar entweder Lust oder Unlust ist. Ebenso sicher aber steht auch der Satz, daß in jedem Bewußtseinsaugenblicke Zuständliches und Gegenständliches zusammen sich finden. Wovon aber die jedesmalige Be¬ sonderheit der zuständlichen Bestimmtheit, daß sie nämlich das eine Mal Lust, das andere Mal Unlust ist, abhänge, das haben wir nunmehr zu untersuchen. Wir wiesen es allerdings schon früher ab, daß ein be¬ sonderes Gefühl, der sogenannte „Gefühiston“ an ein ein¬ zelnes besonderes Gegenständliches „gebunden“ sei, als ob jedes Gegenständliche des Bewußtseins gleichsam „von Natur“ ein besonderes „Gefühl“ dem Bewußtsein mit zuführe. Wir haben ferner betont, daß unter dem verschiedenen Gegenständ¬ lichen des Seelenaugenblickes eines für sich allein nicht auch etwa schon die „besondere“ Bedingung des einen Zuständ¬ lichen dieses Augenblickes ausmache. Wir hoben endlich auch hervor, daß die allgemeine Voraussetzung für das Ge¬ gebene, das wir als Lust und Unlust kennen, ein Bewußt¬ sein sei, als dessen zuständliche Bestimmtheitsbesonderheit oder Gefühl jenes überhaupt nur sein Bestehen hat und be¬ griffen werden kann: wer also das Einzelwesen „Seele“ leugnet, verlegt sich damit unausweichlich den Weg zum Ver¬