Zur Lehre vom Gemüt. 27 Empfindung bedingt haben, für eine Mischung von so- genannten „Elementarempfindungen“ gelten sollen (s. die Kritik dieser Hypothese in meiner Psychologie, 2. Aufl., S. 167 ff.). Die „Gefühlstöne“ aber sind augenscheinlich das zuständ- liche Gegenstück jener fabelhaften „Elementarempfindungen“; indes, wie diese, so erweisen auch sie sich für mindestens völlig überflüssig bei dem Versuch, das tatsächliche eine Ge- fühl neben dem mannigfachen Gegenständlichen des Augen- blickes der Seele zu erklären. Wie die Mehrzahl von „Ele- mentarempfindungen“ der tatsächlichen einen Empfindung die mythische Einkleidung des richtigen Gedankens ist, daß eine Mehrzahl zugleich auftretender Keize die wirkende Bedin- gung der einen Empfindung bildet, so sind auch die „Ge- fühlstöne“ des tatsächlich einen Gefühls nur die mythische Einkleidung des richtigen Gedankens, daß eine Mehrzahl von zugleich auftretenden Gegenständlichen des Bewußtseins die „Bedingung“ des einen Gefühls ausmachen. Insbesondere jedoch ist es ein Irrtum, zu meinen, die „Gefühlstöne“ die das doch anerkannt eine Gefühl als „Gefühlsmischung“ be- greifen lassen sollen, ließen sich einzeln als besondere Ge- fühle mit Hilfe der Aufmerksamkeit „vollständig“ aussondern, z. B. in Fällen, wie bei dem „festlichen Diner“: liefert doch die experimentelle Forschung, wenn sie exakt genug ist, un- fehlbar ein gegenteiliges Ergebnis. Aber wenn auch gar durch Experiment festgestellt werden könnte, daß jedes be- sondere Gegenständliche des „Festdiners“, sobald es als alleiniges Gegenständliches des Bewußtseins sich bietet, ein besonderes Gefühl mit sich führe, so läge dennoch keine Berechtigung zu der Behauptung vor, daß jedes Gegenständ- liche, sowie es mit dem anderen zusammen das „Festdiner“ ausmacht, „sein“ besonderes Gefühl hervorrufe, wenn dieses freilich auch sofort mit den von dem anderen Gegenständ- lichen angeblich ebenfalls hervorgerufenen besonderen Ge- fühlen zu dem einen Gefühle des Festdiners sich mische. Es genügt doch zur Erklärung des einen Gefühls das, was die Erfahrung uns vorlegt, nämlich das zu gleicher Zeit auf- tretende verschiedene Gegenständliche des Bewußtseins. Dieses eben ist es, in dem angezogenen Festdiner, das in seiner