24 Zur Lehre vom Gemüt. der Tat, um einerseits für den einen Bewußtseinsaugenblick zwar an dem einen Gefühl, das eingestandenermaßen nur allein sich nachweisen läßt, aber andererseits doch auch an der Hypothese von der besonderen „Gefühlsbetonung“ jedes besonderen Gegenständlichen festzuhalten, zu der Behauptung die Zuflucht genommen, daß jenes eine Gefühl des Bewußtseins- augenblickes trotz alledem und letzten Endes doch entweder als eine „Gefühlsmischung“ oder als ein „gemischtes Gefühl“ (s. Lehmann) begriffen werden müsse, daß also das eine Ge- fühl des Augenblicks als ein aus Elementargefühlen zusammen- gesetztes Gefühl aufzufassen sei. Für diese Behauptung frei- lich müssen wir dann den sicheren Nachweis fordern, daß es so sei oder so sein müsse, denn als bloße Folgerung aus jener Hypothese der „Gefühlsbetonung“ jedes besonderen Gegen- ständlichen schwebt sie mit dieser selbst so lange in der Luft, als bis sie in den Erfahrungstatsachen ihre Bestätigung gefunden hat oder auf Grund solcher Tatsachen als deren notwendig geforderter Erklärungsgrund erkannt wird. Was zunächst das Gefühl (s. Lehmann a. a. 0. S. 216 f.), das als „Gefühlsmischung“ aufzufassen sei, betrifft, so führt Lehmann als ein „typisches Beispiel“ solchen Gefühls folgen- des an: „Wenn bei einem festlichen Liner die zahlreichen ab- wechselnden Geschmacksempfindungen, prächtiges Tischgerät, Lichter, Blumen, Musik und heiteres Gespräch jedes für sich uns Lustgefühle zuführen und das Ihrige zur Erzeugung der festlichen Stimmung beitragen, solange die Aufmerksam- keit nämlich auf keine der betonten Vorstellungen willkürlich gerichtet wird, bilden alle vorhandenen Gefühle eine kompakte Masse, in welcher kein einzelnes Moment besonders hervor- tritt; alle diese Gefühle aber stehen dennoch in einer rein äußeren zufälligen Beziehung zueinander, und sobald man die Aufmerksamkeit willkürlich auf eine der betonten Vorstellungen richtet, treten alle anderen Gefühlsmomente in den Hinter- grund und nur das besonders festgehaltene Gefühl steht im Bewußtsein klar da; man kann auf diese Weise jedes einzelne der zusammenwirkenden Lustmomente hervorziehen und für sich genießen“ (s. a. a. 0. S. 214f.). Wir müssen erklären, dieses „typische“ Beispiel für ein