22 Zur Lehre vom Gemüt. fallen zu lassen, und somit jedes besondere Gegenständliche des Bewußtseins mit je einem besonderen „Gefühlston“ aus- gerüstet, sowie an ein und dasselbe Gegenständliche immer ein und denselben „Gefühlston gebunden sein“ zu lassen. Denn es ist nicht erfindlich, warum das eine Gegenständliche des Bewußtseins mit „Gefühlston“, das andere aber ohne „Ge- fühlston“ gegeben sein sollte, zumal wenn, wie Lehmann hervorliebt (s. a. a. 0. S. 145f.), die Vorstellung und ihre Ge- fühlsbetonung von einem und demselben physiologischen Vorgänge (einer Bewegung im Zentralorgan} herrühren. Denn es würde doch gar nicht zu verstehen sein, wrenn ein be- sonderes Gegenständliches, da dieses und die besondere „Go- fühlsbetonung“ doch auf einem und demselben physiologischen Prozeß beruhen sollen, nicht auch stets ein und dieselbe „Gefühlsbetonung“ mit sich führen sollte. Die Verselbständigung der Empfindungen, Wahrnehmungen, Vorstellungen durch ihre Umdichtung aus besonderem All- gemeinen, das sie als Bestimratheitsbesonderheiten der Seele sind, in besondere Einzelwesen, wie sie es seitens jener Psy- chologen erfahren, läßt in der Tat nur die eine folgerichtige Auffassung zu, daß an jedes besondere Gegenständliche des Bewußtseins ein besonderes Gefühl „gebunden“ sein müsse. Man konnte, um sich auf das Gefühl in dieser Hinsicht einen Keim zu machen, schlechterdings nicht anders, als „Gefühl“ nicht nur für ein ebenso Ursprüngliches, wie „Empfin- dung“ usf. auszugeben, sondern auch mit jeder besonderen Empfindung ein besonderes Gefühl verbunden zu denken, und so ist es, wie wir rühmend hervorheben können, durchaus richtig entwickelt, wenn Lehmann durch denselben besonderen physiologischen Vorgang, der die besondere Empfindung oder die besondere Vorstellung begründet, auch ein besonderes Gefühl unter dem Namen eines „Gefühlstones“ dieser Emp- findung oder dieser Vorstellung mit gewirkt sein läßt. Wer aber mit uns in der Psychologie von dem Bewußt- seinswesen „Seele“ ausgeht, wreil er auch die allerelementarste „Bewußtseinserscheinung“, die man von jenen Psychologen wohl als Elementarempfindung bezeichnet findet, in ihrem Ge- gebensein nicht anders, denn als Bestimmtheitsbesonder-