18 Zur Lehre vom Gemüt. jenes vorstellende Seele sich selbst als „fühlende“ Seele ver- ändern d. i. sich eine neue Lust oder Unlust wirken. Diese Annahme läßt sich mit dem Satze des Wirkens,1) der für das Gegebene überhaupt sich schlechtweg bewahrheitet, nicht reimen: jedes Wirken erfordert zu seiner Möglichkeit wenigstens zwei Einzelwesen, von denen das eine die wirkende Bedingung bietet, also das Wirkende in sich schließt, das andere dagegen die Wirkung als eine ihm widerfahrende Veränderung in sich schließt. Ein einfaches Einzelwesen aber, das sich aus sich selbst veränderte, will also sagen, das nicht nur die grundlegende, sondern zugleich auch die wirkende Bedingung für ihre eigene Veränderung lieferte, gibt es über- haupt nicht. Niemand wird verstehen können, daß ein Einzelwesen sich „von selbst“ verändere. Die mit einer bestimmten Vorstellung zusammen auf- tretende Lust und Unlust hat als Wirkung, die sie doch selbst- verständlich sein muß, ihre wirkende Bedingung zweifelsohne im Gehirnzustand, wie ja auch jede auftretende Vorstellung ihre wirkende Bedingung im Gehirnzustand hat. Nun aber fragt sich, ob die gemeine Auffassung das Rich- tige trifft, wenn sie die auftretende Lust oder Unlust an die eine bestimmte Vorstellung allein „gebunden“ erachtet, sei es auch nur in dem soeben erläuterten Sinne, daß derselbe Ge- hirnzustand, der die besondere wirkende Bedingung für jene bestimmte „Vorstellung“ bildet, auch die besondere wirkende Bedingung für die mit ihr zusammen auftretende Lust oder Unlust wäre. Würde dies sich bewahrheiten, so ließe sich schon mit einigem Grund behaupten, diese Lust oder Unlust sei an jene Vorstellung „gebunden“, mit der sie doch not- wendig zusammen auftritt, sofern ja ein und dasselbe Ge- gebene (der bestimmte Gehirnzustand) für beides die wirkende Bedingung bedeuten soll. In diesem Sinne behauptet Leh- mann, das mit der besonderen „Vorstellung“ zusammen auf- tretende Gefühl habe „ein und denselben phycho-physischen Prozeß“ zur unmittelbaren besonderen Bedingung, wie diese be- sondere „Vorstellung“, woraus er dann das „Gebundensein“ b Siehe Rehmke, Philosophie als Grundwissenschaft, S. 245ff.