Zur Lehre vom Gemüt. 13 Allgemeines, kein Unveränderliches, das nicht selber einem Einzelwesen, einem Veränderlichen zukäme und zugehörte, also auch nur an ihm sein Bestehen hätte. Wir nennen dieses Einzelwesen die Seele d. h. ein Be- wußtsein, das mit einem Dinge oder Körper in stetiger Wirkenseinheit verknüpft ist.1) Dieses Bewußtsein hat Ge- fühle, hat Lust und Unlust d. h. es ist ein fühlendes oder zu- ständliches Bewußtsein, dessen Bestimmtheit wir eben „fühlen“ nennen. Die jeweilige Besonderheit dieser zuständlichen Be- stimmtheit, „fühlen“ aber nennen wir ein Gefühl und wissen, daß diese Bestimmtheitsbesonderheit der Seele ais zu- ständlichen Bewußtseins entweder eine Lust oder eine Unlust ist. Man beachte also wohl, daß das Gefühl keineswegs eine besondere Bestimmtheit, sondern vielmehr nur eine Bestimmtheitsbesonderheit der Seele, nämlich die Besonderheit ihrer zuständlichen Bestimmtheit, die wir „Fühlen“ zu nennen pflegen, bedeutet. Darum aber auch, und über- haupt auch nur darum ist es zu verstehen, daß die Seele ein Gefühl verlieren und auch ein Gefühl gewinnen kann, während es ihr andererseits unmöglich ist, das Fühlen überhaupt zu verlieren oder zu gewinnen. Mit anderen Worten, es gibt keine Seele, die nicht in jedem ihrer Augenblicke fühlendes d. i. zuständliches, Lust- oder Unlusthabendes Bewußtsein wäre, das „Fühlen“ mithin bedeutet eine unverlierbare Bestimmtheit der Seele. Darum aber ist die Seele als zu- ständliches („fühlendes“) Bewußtsein nichtsdestoweniger ver- änderlich, was, wie der Satz der Veränderung lehrt, der für das Gegebene überhaupt gilt,2) sagen will, daß die Besonder- heiten ihrer zuständlichen Bestimmtheit, also die Gefühle der Seele wechseln, ein Gefühl dem anderen Platz macht und ein Gefühl an Stelle des bisherigen als die Bestimmtheits- besonderheit der Seele tritt. Dieser Wechsel der zuständlichen Bestimmtheitsbesonder- heiten der Seele d. i. der Wechsel der Gefühle, ist nun ent- x) Siehe Rehmke, Lehrbuch der allg. Psychologie, 2. AufL, S. 73ff. 2) Siehe Rehmke, Philosophie als Grundwissenschaft, S. 163ff.