IV Zur Lehre vom Gemüt. nichts wissen. Und auch der große Bruchteil Psychologen, der unter Herbarts Führung das Einzelwesen „Seele“ immerhin noch anerkennen will, setzt keineswegs für seine Psychologie die Seele als ein Einzelwesen besonders voraus, sondern setzt lediglich einen Seelenraum oder eine Seelenbühne, wo sich das, was nach ihm der eigentliche Gegenstand der Psychologie ist, abspielen soll. Beiden, den Herbartianern und — die kurzgefaßte Bezeich- nung sei gestattet — den Seelenlosen schlechthin, bedeutet näm- lich das „Seelenleben“, dessen Gesetze doch die Psychologie fest- zustellen hat, nicht das Leben einer Seele, sondern das Leben von Seelischem: „Empfindungen“, „Gefühlen“ und „Vorstel- lungen“; von der Seele als einem Einzelwesen ist dabei gar nicht die Rede. Um das sogenannte Seelenleben zu be- schreiben, meinen sie mit „Empfindungen“, „Gefühlen“ und „Vor- stellungen“ auskommen, also sich des Einzelwesens „Seele“ ganz entschlagen zu können, und so kommt es, daß ihnen, während freilich still und heimlich die Seele als Einzelwesen trotz alledem in ihren Gedanken mitläuft, nunmehr die „Empfindungen“, „Vorstellungen“ und „Gefühle“ selbst für Einzelwesen gelten müssen. Denn wie sollte überhaupt „Leben“ verstanden werden und somit „Seelenleben“ ins- besondere einen Sinn haben können, wenn nicht Einzel- wesen vorausgesetzt ist: bedeutet doch „Leben“ zweifelsohne Veränderung, und Veränderliches ist im Gegebenen überhaupt einzig und allein das Einzelwesen, so daß der Satz feststeht: „Kein Einzelwesen — keine Veränderung“. Darum konnten sich unter den Psychologen die Herbar- tianer sowie die Seelenlosen schlechthin, wenn sie doch von einem Seelenleben handeln wollten, dem gar nicht entziehen, das für sie allein in Betracht kommende Seelische, die „Empfindungen“, „Vorstellungen“ und „Gefühle“, selbst für Veränderliches, für Einzelwesen auszugeben. Ihre Psychologien