STREIFLICHTER 317 Man versteht heute nicht mehr zu lesen. Diese große Kunst noch der Goethezeit ist ausgestor- ben . M an überfliegt Gedrucktesten M asse“, und in der Regel demoralisiert der Leser das Buch. 518 Mit der Kenntnis des wortgebundenen Schrei- bens und Lesens ... beginnt die „Bildung“, ob man es nun selbst kann oder schreiben und sich vorlesen läßt. Sie bedeutet das Verfügen des Bewußtseins über den schriftlich festge- haltenen, geistig geformten Schatz an erreich- ter, ererbter Kultur. Das Geschriebene ist das Gedächtnis aller Hochkulturen, das der ein- zelne im Lauf seines Lebens und im Verhältnis zum Rang seiner Persönlichkeit erwirbt. . . . Wer seelisch nur im Tage lebt und nur in des- sen Meinungen denkt, der hat keine Kultur. 319 Die Schrift ist das große Symbol der Ferne, also nicht nur der Weite, sondern auch und vor allem der Dauer, der Zukunft, des Willens 8* log