toriker40. Bis heute bleibt der Begriff Public History in den USA „[...] ein mehr - deutiges Schlagwort, das eine ganze Reihe von Aktivitäten angewandter Ge¬ schichtswissenschaft und den öffentlichen Umgang mit Geschichte zusammen¬ faßt“41. 2003 fasste David G. VANDERSTEL die Aufgaben von Public Historians fol¬ gendermaßen zusammen: „Those trained in but engaged in work outside the halls of the academy and those within the academy who prepare students for careers in gov- emment agencies, museums, libraries, historic preservation, and in private business enterprises“4\ Zur Historical Education besteht keine Verbindung. ln der Bundesrepublik Deutschland verlief die Entwicklung anders. „Die Ar¬ beitsfelder der Geschichtsdidaktik, die Vermittlung und Rezeption von Geschichte in der Schule und der außerschulischen Öffentlichkeit, werden [...] im Zuge der Theorie historischen Lernens und dem Konzept der Geschichtskultur von Rüsen zu einer Einheit verbunden“43. Jörn RÜSEN hat eine Theorie der Geschichtskultur entwickelt, die definiert wird als „praktisch wirksame Artikulation von Geschichts¬ bewußtsein im Leben einer Gesellschaft“44. Damit ist aber nach Irmgard Zündorf Public History nicht deckungsgleich. „Vor allem der Zugang unterscheidet [...] beide Ansätze: Die Theorie der Geschichtskultur umfasst die Analyse der Ge¬ schichte in der Öffentlichkeit. Public History hingegen ist weniger Theorie, son¬ dern eher ein Anwendungsfeld, das sowohl die Analyse als auch die Vermittlung von Geschichte in der Öffentlichkeit umfasst“45. In der geschichtsdidaktischen Ausbildung spielen „Außerschulische Lernorte“ ebenfalls eine Rolle. Ihre geringere Bedeutung im Vergleich zu Modulen, die sich mit Geschichtsvermittlung in der Schule befassen, spiegelt sich allerdings selbst in den neuesten Ausbildungs- und Prüfungsordnungen für die Lehrämter wieder46. Dagegen ist in Deutschland Public History „[...] eine eigenständige Bewegung, die sich im Rahmen von Universitätsstudiengängen mit der Ausbildung von Histori¬ kern für außerschulische Vermittlungstätigkeiten beschäftigt“47. Ob dadurch Ge¬ schichtsdidaktik überflüssig wird, mag dahingestellt sein48. Zwei inhaltliche und methodische Lesarten von „Öffentlicher Geschichte“ dominieren bisher häufig die 40 Zur Entwicklung in den USA: Rauthe, Public History (wie Anm. 37), S. 74-152. 41 Rauthe, Public History (wie Anm. 37), S. 152. 42 David G. Vandf.rstel, The National Council on Public History, in: Public History Re¬ view 10 (2003), S. 131; zu den neuesten Entwicklungen in Australien und den USA: Paul Ashton, Going Public, in: Public History Review 17 (2010), S. 1-15. 43 Rauthe, Public History (Anm. 37), S. 244. 44 Jörn Rüsen, Was ist Geschichtskultur? Überlegungen zu einer neuen Art über Geschichte nachzudenken, in: Historische Faszination. Geschichtskultur heute, Köln 1994, hg. von Klaus FÜßMANN/Heinrich Theodor GRÜTTER/Jöm Rüsen, Köln 1994, S. 5. 45 ZÜNDORF, Public History (Anm. 39), S. 5. 46 So fehlt dieser Punkt beispielsweise in der neuesten Ausbildungs- und Prüfungsordnung für das Lehramtsstudium Geschichte in Rheinland-Pfalz ganz (http://www.uni- mainz.de/studlehr/1807_geschichte.php#menul), im Saarland sind „außerschulische Lernorte“ Teil des Aufbaumoduls in den Lehramtsstudiengängen Geschichte (http://www.uni-saarland.de/info/universitaet/zentrale-einrichtungen/zfl/ordnungen/la- apo.html). 47 Rauthe, Public History (Anm. 37), S. 244. 48 Simone Rauthe, Geschichtsdidaktik - ein Auslaufmodell? Neue Impulse der amerika¬ nischen Public History, in: Zeithistorische Forschungen 2 (2005), S. 287-289. 557