auf den ersten Blick dem Forscher, der sich zum Beispiel ausschließlich für das Saarbrücker Altstadtfest interessiert, verlockend erscheinen mag, erweist sich bei näherem Hinsehen als Zerstörung von Geschichte. Denn mit dem Zuordnen der Vorgänge zu Pertinenzen gehen Zusammenhänge verloren. Ganz abgesehen davon, lassen sich viele Vorgänge mehreren Pertinenzen beziehungsweise Schlagworten zuordnen. Hinzukommt ein nicht zu leistender Mehraufwand, weil alle Akten von Anfang bis Ende vom Archivar gelesen werden müssten10. Es ist schwer, das Be¬ wusstsein für die Archive über die Abgrenzung zwischen Archiv, Bibliothek und Museum so zu schärfen, dass es zu einer nachhaltig zutreffenden Einschätzung der Rolle von Archiven beitragen kann. Akten -Schätze der Transparenz Wichtiger und für die Öffentlichkeit interessanter ist ein Nachdenken über das Thema Akten, denn sie sind nun einmal die bestimmende Unterlagengruppe in den Archiven, daneben stehen Urkunden, Karten, Pläne, Plakate, Fotos und Audio¬ visuelles. Archive sichern vor allem Akten, die aus dem Verwaltungsbereich stammen, für den sie zuständig sind, und aus historischen oder rechtlichen Gründen als archiv¬ würdig eingestuft wurden. Mit Akten kann man in der Öffentlichkeit zunächst ein¬ mal keine Begeisterung auslösen. Schon das Wort wird negativ wahrgenommen, stehen Akten doch für Bürokratie und damit für einen weiteren Negativbegriff. Stellt man sich die Frage nach objektivierbaren Gründen dieser Negativeinschät¬ zung, dann eröffnet sich ein Erklärungsgeflecht aus einer als undurchschaubar empfundenen Bürokratie. Und gerade diese Undurchschaubarkeit als Ursache für die Vorbehalte der Öffentlichkeit gegenüber Akten und Bürokratie bilden die Brü¬ cke zum Selbstverständnis der Archive als wertvolle Einrichtungen einer Demo¬ kratie. In der Verwaltung sorgsam und vollständig geführte Akten, die den Weg ins Archiv finden, sind nicht nur ein wertvoller Rohstoff für den Historiker, sie sind unverzichtbar für eine funktionierende Demokratie. Gut geführte Akten sind die Voraussetzung für Kontrolle, Verantwortung und Transparenz. Transparenz der Macht entwipkelt sich aktuell zu einem immer stärker eingeforderten Wert in der bundesdeutschen Öffentlichkeit und ist unverzichtbar für eine gelebte Demokratie. Akten ermöglichen es, Entscheidungsprozesse nachzuvollziehen, Verantwort¬ lichkeiten zu erkennen, Abläufe zu rekonstruieren; sie machen Verwaltung und Po¬ litik erst transparent und, wie eingangs angedeutet, sie sind das Mittel gegen Lü¬ gen, Legenden und üble Propaganda. Kann ein parlamentarischer Untersuchungs¬ ausschuss seine Kontrollfunktion ohne vollständige Akten wahrnehmen? Unsere Demokratie braucht Akten, denn nur so kann die Legislative die Exekutive kontrol¬ lieren. Für die Demokratie gilt, Transparenz schafft Akzeptanz und Transparenz ist sozusagen das Lebenselixier der Demokratie und diese Transparenz gewinnt man in hohem Maße auch über Akteneinsicht. Schon 1975 stellte das Bundesverfas- 1(1 Bodo Uhl, Die Bedeutung des Provenienzprinzips für Archivwissenschalt und Ge¬ schichtsforschung, in: Landesgeschichte und Archive: Bayerns Verwaltung in histori¬ scher und archivwissenschaftlicher Forschung. Stand und Aufgabe. Wissenschaftliches Kolloquium am 24725. Juli 1997 anläßlich der Verabschiedung des Generaldirektors der staatlichen Archive Bayerns Professor Dr. Walter Jaroschka, München 1998, S. 97-121. 516