mehr erdulden, sie wollten ehe alle auß der statt gehen. Da ging graf Hans [Jakob] von ihnen und gab ihnen keine antwort [...] die mann von Bußweiler zogen miteinander zum herren Ludwigen von Liechtenberg [...] klagten von dem weib [...] und begehrten, daß er ihr herr und pfleger wolte sein. Da wurde ihnen eine gute antwort [...] Und als die manen auß bußweiler [fort] waren, da vermeint das böse weib [...] so mußten die frawen auch hinaus [...] solches wurden die weiber gewahr, giengen zusammen inn ein hauß, schwuren zusamen einen eyd beyeinan- der zu bleiben und wolten sich wehren [...] unnd als graff Jacobs von Liechtenberg ambtmann von Bußweiller kam, gebot den weibern von hauß zu hauß, daß sie mit ihren kindern sollen auß der statt ziehen, da sprach ein jede sie wolt es thun [...] die böß fraw name zu sich die burgknecht [...] unnd wolt die frawen mit gewalt außtreiben, da lieffen die frawen zusamen unnd bracht jede ein gewehr mit ir, eine nam ein bratspiß, die ander eine hawgabel [...] werten sich hefftig, trieben das bös weib mit iren helfferen [...] in die bürg und blieben sie in der statt /LJ38. Die hier geschilderten Ereignisse sollten nicht zuletzt wegen der Überlieferung bei Hertzog als der sogenannte „Buchsweiler Weiberkrieg“ in die Geschichte eingehen. Wenn man allerdings die zeitnäheren Quellen, die auf uns gekommen sind, ein¬ gehend betrachtet, ergibt sich ein Bild, das weniger die Bewohnerinnen von Buchs¬ weiler und mehr Ludwig von Lichtenberg selbst als Bärbels Gegenpart in dieser Auseinandersetzung zeichnet. Weil eine Beschwerde bei Graf Jakob über die als zu hart empfundenen Forderungen Bärbels keine Erleichterung der Situation für die Buchsweiler ünteranen ergaben, wanden sich diese mit ihren Klagen an den Bru¬ der ihres Herrn. Welche Gründe diesen dazu bewegt haben mochten, in die Ange¬ legenheiten, die das Amt Buchsweiler betrafen, einzugreifen, lassen sich vorsichtig aus den lichtenberger Urkunden erschließen. Im November 1461 waren Jakob und Ludwig von Lichtenberg vor Meister und Rat der Stadt Straßburg erschienen, um Streitigkeiten, die das väterliche Erbe an¬ gingen, vor Zeugen zu verhandeln. Seit 1440 der Brüder Vormund, Markgraf Jakob I. von Baden, das lichtenbergische Gebiet zwischen Jakob und Ludwig auf¬ geteilt hatte, waren beide wohl immer wieder mit Forderungen aneinander heran¬ getreten. Vor allem Jakob bestand auf einer Revision der Gebietsaufteilung, wurde allerdings vom Rat bis zu einer endgültigen Entscheidung vertröstet34. Für Ludwig mochte die Unzufriedenheit der Buchsweiler eine willkommene Einladung gewe¬ sen sein, nun den eigenen Einfluss im Lichtenberger Gebiet auf das Jakob unter¬ stehende Amt Buchsweiler auszudehnen. Möglicherweise war Bärbel von Otten¬ heim dem Bruder ihres Gönners auch persönlich ein Dom im Auge, da die wohl recht resolute Frau die Verwaltungsaufgaben für Jakob in die Hand nahm und da¬ mit ein Anwachsen von Ludwigs Enfluss verhinderte. Weil Ludwig als Bürger von Straßburg auf die Unterstützung des Stadtrats in dieser Angelegenheit hoffte und sein Vorgehen auch vor dem Kurfusten Friedrich I. von der Pfalz rechtfertigen wollte, schlechterdings aber offen zugeben konnte, den Vertrag von 1440 umgehen zu wollen, begründete er sein Eingreifen mit dem seinem Haus drohenden Schaden und Jakobs Untätigkeit. Deshalb stellte er Bärbel von Ottenheims schlechten Ein¬ fluss und ihr ungebührliches Verhalten ganz in den Vordergrund. Er schrieb an Friedrich: über das hat er [Jakob] unserm stammen und namen zu grossem laster, ,x Hertzog, Chronikon (wie Anm. 31), Fünftes Buch, S. 32f. v> Battenberg/Metz, Lichtenberger Urkunden (wie Anm. 7), Nr. 2818 und Nr. 3822. 154