Die potenzielle natürliche Vegetation des Untersuchungsgebietes ist ein Kalk¬ buchen-Eichen Mischwald an den Hängen und auf den Hochflächen, während in der Bliesaue ohne Einfluss des Menschen ein Weichholzauewald dominieren wür¬ de (Hartz 1988). Die Bliesaue ist heute weitgehend landwirtschaftlich genutzt, nur in hydromorphen Landschaftseinheiten wachsen ausgedehnte Schilfbestände und Mädesüß-Brennnessel-Hochstaudenfluren sowie vereinzelt Weichholz-Au¬ waldreste. Heute werden im Auebereich im Rahmen ökologischer Ausgleichsma߬ nahmen Teiche angelegt. Die Gesamtheit der naturräumlichen Gegebenheiten bietet sehr günstige Bedin¬ gungen für eine frühe Besiedlung und Nutzung des Raumes durch den Menschen. Eine seit dem Mesolithikum ununterbrochene Siedlungskontinuität belegt die na¬ turräumliche Gunst des Raumes (Petit 2004; Brück, Petit, Sarateanu-Müller 2007) und ermöglicht die Ergänzung sedimentologischer und geomorphologischer Aufnahmen durch archäologische Befunde und Datierungen. Untersuchungsmethoden In einer durch ein Fließgewässer geprägten Landschaft wie dem Bliestal besteht ein enger Zusammenhang zwischen Umwelt und anthropogener Nutzung. Die Überschwemmungssituation und der Zugang zu fruchtbarem Ackerland prägt ganz entscheidend die Auswahl der Siedlungsplätze. Hierbei spielen Vegetationsent¬ wicklung und Klima eine ganz entscheidende Rolle für die geomorphologischen Formungsprozesse und die Morphodynamik der Flussaue der Blies. Auch anthro¬ pogene Aktivitäten wie Rodungen und Ackerbau gewinnen seit der Bronzezeit zu¬ nehmend an Einfluss für die Landschaftsentwicklung. Anhand bodenkundlicher und sedimentologischer Profilaufnahmen an Baggerschürfen im Zuge der archäo¬ logischen Ausgrabungstätigkeiten im Europäischen Kulturpark Bliesbruck-Rein- heim werden seit 15 Jahren Rückschlüsse zur Landschaftsentwicklung unter Be¬ rücksichtigung des anthropogenen Einflusses gezogen. Mit Hilfe von Laboranaly¬ sen wurden die Geländebefunde verifiziert und weitergehende Interpretationsmög¬ lichkeiten eröffnet. Insbesondere der Kohlenstoff- und Phosphatgehalt der Boden¬ proben gibt Hinweise auf das Alter von Ablagerungen und die Intensität des anth¬ ropogenen Einflusses. Eine genaue Aufnahme der Schichtenfolge in den verschiedenen Profilen der Geländeschnitte mit Erfassung der Höhenlage, archäologischen Befunden und Bo¬ denanalysen der einzelnen Bodenhorizonte erlaubt eine Rekonstruktion alter Land¬ oberflächen und gibt Aufschluss über die Entwicklungsgeschichte der Landschaft parallel zur Siedlungsentwicklung. Ergänzend zu den bodenkundlichen Untersu¬ chungen wurden Pollenanalysen benachbarter Räume herangezogen, um Informa¬ tionen über Klima und Vegetation der entsprechenden Zeitphasen zu erhalten. Computergestützte Analysen erlaubten eine raumbezogene Verarbeitung der Daten und die Generierung verschiedener thematischer Karten zur Landschaftsentwick¬ lung sowie die Visualisierung der Ergebnisse. 40