Si tut in mangs sorge fri. I nd birt im hochgemute Mit ir m'bes gute ... („Ach welches Glück ist dem Fürsten beschert, dem sie vermählt ist; sie befreit ihn von manchem Kummer und schafft ihm hohen muot, die magnanimitas, aus ihrer weiblichen Qua¬ lität heraus Schon vorher wurde es formuliert und wird danach noch einmal bestärkt, dass sie allem Feind ist, was der Ehre abträglich wäre. Sie ist so sehr auf Ehre bedacht, dass sie der „Frau Ehre“ Nebenbuhlerin (gelle) zu werden verspricht, eine Nebenbuhlerin, die diese freilich zärdich liebt. Er lit ir bi vnd hat doch mich %e sunder trute sicherlich: Svs ist er uns gemeine (v. 35-37), „Er liegt bei ihr und hat doch auch mich“ - sagt Frau Ehre — „zu besonderer Geliebten: so gehört er uns beiden“. Ich breche hier die Analyse ab, da die folgenden Verse, in denen sich der Schriber auch als Untertan der fronte Kaiserin, seiner Herrin, offenbart, in immer neuen, durchaus beson¬ deren, eigenartigen Variationen, aber doch immer wieder das Thema der fürstlichen Ehre (z. B. v. 93) umkreisen. Durchaus verwandte Töne schlägt die 1356 verfasste Ehrenrede Peter Suchenwirts ,Auf die Kayserin von PaynT in der Konzipierung ihres Fürstinnenbildes an". Wie die Ehren¬ rede auf IWilhelm III. von Holland ist der Preistext in die äußere Form eines Fürbittegebets, hier an Maria muter unde magt gerichtetA Auch die weitere formale Struktur ist bemerkens¬ wert. Ein erster Teil formuliert die Verluste, die durch den Tod der hohen Frau entstan¬ den — es sind die sozialen Verluste der höfischen Gesellschaft — in dreizehn gewichtigen Wer-Fragen: Wer soll nun den hohen muot, die magnanimitas, als zentralen Wert der höfi¬ schen Gesellschaft pflegen? Wer soll Freude in die Herzen senken? Wer soll nun Tröstung spenden? Wer löst nun den Kummer auf? Wer übt nun um Gottes und der Ehre willen Mildtätigkeit? Wer stärkt nun die ritterliche Gesinnung durch das Spenden von Freude? Wer vermag nun die Kranken zu firmen? Wer senkt nun um des hohen muotes willen Liebe und Lust in die Herzen? Wer stärkt nun die Kraft beständiger Gesinnung? Wer ermutigt nun die tapfere Ritterschaft zu ehrenvoller guter Tat? Wer gibt nun Verstand und weisen Rat? Wer begegnet nun dem Spott mit höfischem Anstand? Wer übt nun solch gutes Be¬ nehmen, das niemanden zu verletzen vermag? Der zweite Teil (ab v. 24ff.) beschwört in Übereinstimmung mit der Preisrede auf Ludwig den Bayern und auch mit der in der Totenklage auf Beatrix formulierten Konzep¬ tion die Kaiserin als Exempel der Weiblichkeit , das Gott selbst gebildet hat (v. 28f£), nämlich als Exempel der Treue, der Ehre und der vollkommenen Tugend. Die Tote war die Verkörperung der Freigebigkeit gegenüber den Armen, des Rates und Trostes gegen- 24 Primisser: Peter Suchenmrt’s Werke (wie Anm. 12), Nr. II. Vgl. Seemüller: „Chronologie“ (wie Anm. 12), S. 227£; van d’Elden: Peter Suchenwirt (wie Anm. 12), S. 33, 146; Nolte: Lauda post mortem (wie Anm. 1), S. 1121.; Brinker: Von mannigen beiden gute tat (wie Anm. 12), S. 31. 25 Zu Recht betont die enge Bindung von Suchenwirts Text an die Ehrenreden Gelres und die beiden To¬ tenklagen auf Wilhelm III von Holland (I 1337) und Wilhelm IV. von Holland (f 1345) Helm: „Zu Su¬ chenwirts Ehrenreden“ (wie Anm. 12), S. 383-385. Vgl. van d’Elden: „The Ehrenreden“ (wie Anm. 1), S. 88-101. 380