2. Die problematische Herrscherin: Weißblume Die am deutlichsten in politisches Geschehen involvierte Fürstin im Textkorpus Elisabe¬ ths ist die in zahlreichen Episoden zweier Romane präsente, schillernde6 Figur der Köni¬ gin Weißblume, die Gemahlin des französischen Königs Ludwig, die sich gleich bei ihrem ersten Erscheinen in Loher und Maller in die Staatsgeschäfte einmischt: Als die turbulente Handlung gerade wieder auf ein Gleichgewicht zusteuert, weil die verfeindeten Brüder Loher (Kaiser Lothar) und Ludwig ihr Verhältnis zu regeln bereit sind, tritt Weißblume auf den Plan, und stachelt ihren Ehemann auf, die Rangdifferenz gegenüber dem Bruder nicht hinzunehmen (vgl. Loher fol. 57rb va). Abb. 1: Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg, Codex in scrinio 11, F. 57r Dahinter stehen die bösartigen Ratgeber des Königs, deren Plan, Kaiser Loher entman¬ nen zu lassen, damit er keine Nachkommen zeugen kann, Ludwig bereits einmal zurück¬ gewiesen hatte (vgl. Loher fol. 55vh-56ra) und die sich nun an die Königin wenden, der es in einem nächtlichen Bettgespräch (Abb. 1) gelingt, ihren Ehemann umzustimmen und doch 6 Wie Morisson: „Women Writers“ (wie Anm. 4), S. 28 in Weißblume „an ideal ruler“ sehen kann, bleibt unverständlich. 351