zu finden.1 Insgesamt, wie Beach folgert, erlaubte die intellektuelle Fähigkeit und hohe Aus¬ bildung diesen Frauen, „to play a critical role both in building a library that could Support ac- tive and serious study of the Bible, and in constructing the monastery’s exegetical voice.“17 18 Diese Ergebnisse finden auch Bestätigung in den Forschungen Arnold Ottos zum Zisterzien- serinnen-Kloster Lichtenthal im heutigen Baden-Baden, wo einerseits aktiv unter der Leitung der Schwester Margaretha (besser bekannt als Schwester Regula) seit 1450 ein intensiver Ko¬ pierungsprozess einsetzte, andererseits zugleich eigenständige religiöse Dichtung geschaffen wurde.19 Allerdings hatten die dortigen Nonnen bereits vor ihrem Eintreffen intensives Le¬ seinteresse demonstriert und somit zur Entwicklung der Bibliothekssammlung beigetragen, die durchaus textkriüsch orientiert war, wie die vielen Korrekturen und Marginalglossen indi¬ zieren.20 Wie das umfangreiche Erbauungsbuch der siecht weg ^uo dem himelrich andeutet, war man im geistlichen Rahmen durchaus an einem breiten Spektrum von verschiedenen Textgat¬ tungen interessiert und rezipierte aufmerksam, was außerhalb der Klostermauern an Literatur vorhanden war. Die von Otto edierte Chrestomathie enthält eine Fülle an Einzeltexten unter¬ schiedlicher Provenienz, z.B.: „dis ist meister albertus lere“; „Dis saget wie gar nutze frage sy“; „Wie man sich in er ee halten sol“; „Wie man sich gein den kinden halten sol und die kinde her wider“; „Was das gesinde solle dun“, dann ein weihnachtliches Marienlob des Mönchs von Salzburg, „Maria kusche muter zart“ und eine Dichtung unter dem Titel „Der Weltlohn“ in enger Anlehnung an das sehr gleichgeartete Gedicht Konrads von Würzburg. Nicht zu vergessen wäre auch die deutsche Fassung von Albertanus’ von Brescia Uber de Doctrina dicendi et tacendi, womit die sehr gemischte Gemengelage dieser Sammelhandschrift eindringlich vor Augen tritt, aber eben gerade auch das erstaunliche Interesse der Zisterzien- serinnen von Lichtenthal. Otto erklärt es damit, dass schon seit dem frühen 15. Jahrhundert zahlreiche Bücher über Religiosität und die Sittenlehre sich zunächst in Privatbesitz befanden, dann aber schnell auch in die Klöster gelangten: Auf einer religiösen Ebene stellt diese Sammlung wie auch das Büchlein von der Liebhabung Gottes Lite¬ ratur dar, die als niederschwelliges Lektüreangebot durchaus auch zur Unterstützung einer Klosterrefrom und zur Erbauung ungebildeter oder weniger gebildeter Klosterbewohner verwendet wurde. Die Paralle¬ len zu St. Katharinen in Nürnberg und den dortigen privaten Beständen sowie zur Melker Klosterreform machen es plausibel, daß die Gedichtsammlung zeitnah zu ihrer Entstehung nach Lichtenthal kam.21 4. Kreatives Schreiben in Frauenklöstern Aus mystischer Motivation heraus entstanden bereits im vierzehnten Jahrhundert eine Reihe von großen Sammelhandschriften, die so genannten Schwestembücher; die inzwischen gründlich von Gertrud Jaron Lewis und dann von Anne Winston-Allen untersucht worden sind.22 Die- 17 Ebd., S. 82-84. 18 Ebd., S. 103. 19 Otto, Arnold: „der siecht weg %uo dem himelrich“. Ein oberrheinisches Erbauungsbuch. Edition und Kommentar (Texte des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit 42), Berlin 2005, S. 61-64; vgl. dazu Geith, Karl-Ernst: „Die Le- ben-Jesu-Übersetzung der Schwester Regula aus Lichtenthal“, in: Zeitschriftfür deutsches Altertum und deutscheU- teratur 119 (1990) S. 23-37. 20 Otto: der siecht weg (wie Anm. 19), S. 144-145. 21 Ebd., S. 160. 22 Jaron Lewis, Gertrud: By Women, for Women, about Women. The Sister-Books of Fourteenth-Century Germany (Studies 335