schließlich bemühten sich die im Kloster tätigen Frauen um ein sehr spezifisches, internes Publikum, das religiöse Bedürfnisse hatte und weltliche Werke abgelehnt oder gar nicht ge¬ wünscht hätte, wenngleich eine absolute Beurteilung in dieser Hinsicht noch genauer zu überprüfen wäre. Zwischen ca. 750 und 1025 stieg die Zahl von Frauenklöstern im deutschen Sprachraum von circa 44 auf circa 750, von denen viele Kanonissenstifte waren, was eine doch andere fi¬ nanzielle Situation und Lebenseinstellung als in den traditionellen Klöstern reflektierte. Ab 1200 entdecken wir erste Zeugnisse dafür, dass einige der Bewohnerinnen als Schreiberinnen tätig wurden, womit der Durchbruch für weibliches Schrifttum gegeben war.13 Zwar handelt es sich in den meisten Fällen um Kopistinnen, aber diese Tätigkeit selbst verlangte eine recht gute Ausbildung und Kenntnis der relevanten Literatur. Indem wir also zunächst einmal fest¬ stellen können, dass Nonnen wesentlich zur Vermittlung von liturgischen Texten für die Klo¬ stergemeinschaft beitrugen, entsteht auf einmal ein ganz anderer Eindruck und werden wir gewarnt davor, die kulturhistorischen Tätigkeiten hinter den Klostermauern verächtlich auf¬ grund von ästhetischen oder allgemein literarhistorischen Kategorien, die sich meist noch dem 18. und 19. Jahrhundert schulden, abzutun. Im prämonstratensischen Haus Schäftlarn bei Freising lassen sich z.B. im 12. Jahrhundert unter den Schreibern drei Frauen identifizie¬ ren, Adelheid, Sophia und Irmingart. Sobald sich das Kloster ausdehnte, waren auch mehr Bücher gefragt, so dass diese drei Frauen erheblich in den Kopiervorgang involviert wurden, ob diese Bücher für ihre Mitschwestern oder, eher wahrscheinlich, für die Mitbrüder gedacht waren.14 Außerdem kam es offensichtlich zu einer Reihe von kooperativem Vorgehen, wohl weil die Komplexität der Materie es verlangte und unter den Frauen sich Personen mit be¬ sonderen Fähigkeiten befanden. In einem anderen Kloster, Admont, lässt sich aufgrund des Nekrologs feststellen, dass eine Nonne sogar das Amt einer armaria ausübte, um die steigende Zahl von Büchern in der Bi¬ bliothek zu organisieren und zu verwalten, was auf das große Interesse der Nonnen an ein¬ schlägiger Lektüre hinweist.15 Manche von diesen waren von einem ganzen Team von Non¬ nen geschrieben worden, was auf einen hohen Bildungsstand des gesamten Klosters hin¬ weist.16 Natürlich werden die meisten der Bücher rein theologischer Provenienz gewesen sein, besonders also für die Liturgie gedient haben. Beach hat mit mehr oder weniger Erfolg versucht, eine einschlägige Liste für Admont zusammenzustellen. Diese umfasste ein Passio- nal, Auszüge aus dem Alten Testament, eine Sammlung von Honorius Augustodunensis’ He- xameron und sein Sigillnm BeataeMariae, ein Brief Gerhochs von Reichersberg über die liturgi¬ sche Auslegung des Auferstehungsfestes, ein Predigt-Kommentar, Anselms von Canterbury Meditationes et Orationes und Die Wunder der Gebenedeiten Jungfrau. Darüber hinaus scheint es, wie so üblich in der mittelalterlichen Klosterwelt, zu einem re¬ gen Austausch zwischen vielen Bibliotheken gekommen zu sein, so dass wir mit Wahrschein¬ lichkeit davon ausgehen dürfen, noch zahlreiche andere Bücher in den Leselisten der Nonnen 13 Beach, Alison L: Women as Scribes. Book Production and Monastic Be form in Tmlfth-Century Bavaria, Cambridge 2004, S. 25 et passim. 14 Ebd, S. 117. 15 Ebd, S. 79, 16 Ebd, S. 94-103. 334