Gemahlin Heinrichs I. von England), Aliéner von Poitou mit ihren Töchtern Marie von Champagne, Alice von Blois und Mathilde von Sachsen (letztere die Gemahlin Herzog Heinrichs des Löwen) sowie Margarethe von Kleve, die mit der Entstehung tradidons- und gattungsbegründender Werke in zwar nicht immer präzise zu klärender, doch der Sa¬ che nach gesicherter Verbindung stehen. Die erste französische Fassung der später in al¬ len Volkssprachen verbreiteten Brandanlegende, das erste französische Bestiarium, nord- französische Trouvèrelvrik, das Artusepos (Magister Wace) und der Artusroman (Chrétien de Troyes), am griechisch-spätandken Schema orienderte historisierende Epik (Gauder d’Arras), die deutsche Chanson de geste (das Rolandslied des Pfaffen Konrad) und der höfi¬ sche Andkenroman (Benoit de Ste-Maure, Heinrich von Veldeke) verdanken ihre Einbür¬ gerung und ihren Aufstieg maßgeblich einer der genannten Fürstinnen/ Die Innovationsanstöße bleiben im übrigen schon hier, wie die Umsetzungen der jeweiligen Vorbilder zeigen, meist nicht auf die Einführung neuer Stoffe und Gattungen beschränkt, sondern implizieren auch klare, ihrerseits tradittonsstiftende Form- und Stilentscheidungen. Daß dies mit der Frühphase höfischer Literatur nicht endete (und daher auch nicht durch sie allein erklärt werden kann), belegt noch um 1230 Reinbots von Durne Romanlegende vom Heiligen Georg: ln der Auftraggebernotiz ist noch unabgestuft das Herzogspaar Otto 11. und Agnes von Baiern genannt. Die tür den Werkstatus folgenreiche Stilvorgabe aber, gegen höfischen Usus auf ,unnützen1 rhetorisch-poetischen Ornat zu verzichten, nimmt allein auf Agnes Bezug, eine Enkelin Heinrichs des Löwen: ,si |von Beiern diu her- zogin] hat ez mir verboten gar‘ (v.54f.).5 6 Zumindest in einigen der vorgenannten Fälle — und damit ist nun das oben angedeutete spezifischere Phänomen1" unmittelbar avisiert — geht der literarische Innovationsimpuls mit einer kulturpolitischen Vermittlerrolle der Mäzenin zwischen verschiedenen Sprach- und Kulturräumen einher. Für das Spätmittelalter genügt es, ergänzend zu den oben Ge¬ nannten auf Eleonore von Schottland, Herzogin von Tirol (f 1480), und Elisabeth von Lothringen, Gräfin von Nassau-Saarbrücken (f 1456), hinzuweisen, deren Biographien und literarisches Wirken in den vergangenen Jahrzehnten großes (und methodisch facet¬ tenreiches) Interesse auf sich gezogen haben. Gerade die aus dem zweisprachigen Kul¬ 5 Vgl. Bumke: Mäzene (wie Anm. 1), S. 234-238. Nur hingewiesen sei hier ergänzend auf die ältere, von Bumke (S. 244) mit Sympathie aufgegriffene These, nach der auch bei Etablierung des romanischen Minnekonzepts und Minnesangtvpus im rheinisch-staufischen Kreis eine auswärtige Dynastin eine Rolle spielte, nämlich die seit 1156 mit Friedrich 1. verheiratete Kaiserin Beatrix von Burgund. Diese Annahme gewinnt dadurch an Überzeugungskraft, dass Beatrix als Gönnerin französischer Dichter (so Gautiers d’Arras) sicher bezeugt ist. 6 Reinbot von Durne: Der Heilige Georg. Carl von Kraus (Hg.), Heidelberg 1907. Zu Eleonore vgl. Steinhoff, Hans-Hugo, in: 2Verfasserlexikon 2 (1980) Sp. 470-473, sowie Hahn, Reinhard: ,1 on französischer jungen in teiltsch'Das literarische Liehen am Innsbrucker Hof des späteren 15. ]ahrhunderts und der Prosaroman ,Pontus und Sidonia (MT (Mikrokosmos 27), Frankfurt/Main u.a. 1990; zu Elisabeth, ihrer histo¬ rischen und literarhistorischen Rolle und ihren dynastischen Beziehungen vgl. zuletzt umfassend Hau- brichs, Wolfgang / Herrmann, Hans-Walter / Sauder, Gerhard (Hg.): Zwischen Deutschland und Frankreich. Elisabeth von lj)thringen, Gräfin von Kassau-Saarbrücken (Veröffentlichungen der Kommission für Saarländi¬ sche Landesgeschichte und Volksforschung 34), St. Ingbert 2002; dazu auch Steinhoff, Hans-Hugo, in: 2Herfasserlexikon 2 (1980) Sp. 482-488; Haubrichs, Wolfgang: „Die Kraft von franckrichs wappen. Kö¬ nigsgeschichte und genealogische Motivik in den Prosahistorien der Elisabeth von Lothringen und Nas¬ sau-Saarbrücken“, in: Der Deutschunterricht 43 (1991) S. 4-19. Auf vereinzelte Zweifel an der unmittelbaren Autorschaft beider (vgl. namentlich Hahn, S. 73-85 und 141-158, sowie Spieß, Karl-Heinz: „Zum Ge- 224