Trotz des Fehlens eines Bücherverzeichnisses in der Ehinger/von Hof-Familie"4 haben sich ebenso viele ihrer Handschriften erhalten wie aus der Privatbibliothek der Familie von Rodemachern.Beide Familien besaßen sowohl Andachtsbücher einfachster Ausstat¬ tung als auch kostbare, künstlerisch aufwendig gestaltete, illustrierte und illuminierte Handschriften, im Vergleich mit dem anfänglichen Beispiel der Katharina Tücher, die mindestens 26 Bücher besaß, erscheint es sinnlos, hier eine Parallele zwischen gesell¬ schaftlichem Stand und der Existenz einer Privatbibliothek ziehen zu wollen. Die Kauf¬ kraft, die jeweils anvisierte Ausstattung der Handschriften und vor allem der persönliche spirituelle Bedarf wird entscheidenden Einfluss auf die Zusammensetzung einer geistli¬ chen Privatbibliothek genommen haben, wofür besonders Margarethes Weimarer Gebet¬ buch als Beispiel angeführt werden kann. Margarethe von Rodemachern und Dorothea von Hof verbindet die Transformation von Leserin zu Schreiberin geistlicher Texte. Das überlieferte Ausmaß der rezeptiven Textarbeit ist bei Margarethe von Rodemachern, wenn Gotha 1 und II als exemplarisch gelten dürfen, im Vergleich mit Dorotheas Büch vergleichsweise gering. Die Form ihrer geistlich-literarischen Tätigkeit entsprach jedoch eher der populären verschriftlichten Frömmigkeit der über Generationen fortgeführten Bücher als Dorotheas ambitionierte Tugendsumme, die bisher in der von weiblichen weltlichen Laien produzierten spätmittel¬ alterlichen deutschen Literatur noch ihresgleichen sucht.*6 84 Einsiedeln, Stiftsb., Codd. 283 (Gebetbuch), 710, 752 (Erbauungsbücher); St. Gallen, Stiftsb., Cod. 479 (Gebetbuch); St. Gallen, Kantonsbibliothek, Vadianische Sammlung, Codd. 343c/d (Elistorienbibel). 85 Gotha, EB, Chart. B 237 1, 11 (Andachtsbücher); Weimar, HAAB, Q 59, Hamburg, SB theol. 2061 (Ge¬ betbücher); Berleburg, FS-WB, RT 2/2 (Das Buch der Tafeln von dem christlichen Lehen und Glauben des Dirc van Delft) und RT 2/4 (Die Pilgerfahrt des träumenden Mönchs). 86 Brandts: „Die Handschrift“ (wie Anm. 17), S. 49f.; Lentes: „Prayer Books“ (wie Anm. 1), S. 249f. 201