Es ist nicht zu erkennen, wann Gerhard wieder auf eine antiburgundische Linie ein¬ schwenkte. Ich fand bisher keine Belege für seinen Anschluss an die nach der burgundi- schen Annektion des Herzogtums Lothringen gebildete Koalition zwischen König Lud¬ wig XL, Herzog René II. von Lothringen, der Niederen Einung und den Eidgenossen. Über sein Verhalten nach der Besetzung des Herzogtums Lothringen durch burgundische Truppen und der anschließenden Rückeroberung, die mit Karls des Kühnen Niederlage und Tod vor Nancy am 5. Januar 1477 endete, fand ich bisher keine Hinweise.',', Gerhards Burgen Rodemachern und Richemont lagen nahe der großen Nord-Süd-Verbindung zwi¬ schen den pays delà und den pays deçà, die Herzog Karl in seinen letzten Lebensjahren be¬ nutzt hatte.') Von ihnen aus hätte der burgundische Nachschub je nach Parteinahme empfindlich gestört oder gesichert werden können. Im Mai 1475 berichtete der burgundische Statthalter in Luxemburg, Claudius von Neufchätel, Karl dem Kühnen, er habe den Adel zur Verteidigung des Landes aufgefor¬ dert, aber einige hätten sich verweigert. Vasallen, die ihren Verpflichtungen nicht nach¬ kamen, ließ Claudius auf herzogliche Anweisung festnehmen.Im folgenden Jahr (1476) waren zur Sicherung der burgundischen Verbindungswege Besatzungen nach Sierck, Wei- ler-Bettnach und Gorze gelegt worden. Kaspar von Rollingen/Ra ville war aufgetragen worden, die für den Nachschub wichtigen Straßen im Abschnitt Luxemburg — Dieden- hofen - Metz freizuhalten. Gestört wurde er dabei im Herbst 1476 durch den auf lothrin¬ gischer Seite stehenden Grafen Simon von Zweibrücken-Bitsch. Auch in den mir bekann¬ ten Nachrichten über das Vorgehen gegen burgundische Besatzungen in lothringischen Orten und gegen burgundische Parteigänger nach dem Tod Karls des Kühnen finden sich weder direkte noch indirekte Hinweise auf den Rodemacher. ” Karls des Kühnen Tod warf die Frage auf nach Erhalt oder Zerfall der in vier Genera¬ tionen zusammengetragenen burgundischen Ländermasse beiderseits der Grenze von Re- gnum und Imperium. Seine Tochter Maria beauftragte schon im Februar 1477 Claudius von Neufchätel, die Huldigung der luxemburgischen Stände entgegenzunehmen und ih¬ nen ihre Freiheiten und Privilegien zu bestätigen."” Das schon von ihrem Vater erwogene Projekt ihrer Vermählung mit Erzherzog Maximilian von Österreich, dem Sohn Kaiser Friedrichs IIL, wurde zügig zum Abschluss gebracht und am 18. August 1477 Hochzeit 96 Hier sei nur die für unseren Betrachtungsraum wichtigste Arbeit zitiert: Schneider, Jean: „La Guerre Bourguignonne entre Sarre et Moselle (1475-1477)“, in: Annuaire de la Société d'Histoire et dArchéologie lor¬ raine 77 (1987) S. 95-121; dort auch die ältere einschlägige Literatur. 97 Nach dem Scheitern der Verhandlungen mit Kaiser Friedrich 111. in Trier ritt er am 25. November 1473 nach Königsmachern und fuhr von dort mit dem Schiff auf der Mosel nach Diedenhofen. Zwischen dem 2. und 4. April 1474 zog er von Nomény über Diedenhofen nach Luxemburg und hielt sich dort vom 5. bis 22. ]uni auf. 1m September 1475 wählte er die weiter westlich verlaufende Straße von Arlon über Esch — Differdingen - Soleuvre — Bassompierre nach Gorze (Schneider, Jean: „La Guerre Bour¬ guignonne entre Sarre et Moselle“ [wie Anm. 96]). 98 Namen werden nicht genannt (Publ. Lux. 34 11880] S. 142 Nr. 593 und S. 146f. Nr. 620). 99 Erwähnt werden die Aktionen des Grafen Simon von Zweibrücken-Bitsch, die Rückeroberung von Fal¬ kenberg/Faulquemont durch Walter von Thann, die Besetzung von Sierck durch den früheren lothringi¬ schen prévôt Konrad Kretzer, das Vorgehen gegen den burgunderfreundlichen Rudolt Beyer von Boppard (Publ. Lux. 34 [1880] S. 179 Nr. 752 und S. 185 Nr. 789, ebd., 35 [1881] S. 11 Nr. 11). 100 Publ. Lux. 35 (1881) S. 13 Nr. 18. 169