Petrarcas Trionfiim Rezeptionsdreieck Barbara von Brandenburg - Andrea Mantegna - Paola Gonzaga Angelica Rieger Der Auftakt zu den in der Folge zur Sprache kommenden Ereignissen findet an einem für die damaligen Zeitgenossen schönsten Schauplätze der Welt statt, in der ,piü Bella camera del monckf, der ,Camera degli sposf im Pala^o Ducale oder Castello di San Giorgio in Man¬ tua1 2. ,Zwischen Herrschaft und Kunsf, auf diesem Grat bewegt sich auch dort die Politik des Markgrafenhofs der Gonzaga. Durch Gewalt und Intrigen gelangen sie an die Macht und verstehen es, sie durch eine kluge Heiratspolitik zu konsolidieren. Den Markgrafenti¬ tel verleiht der im selben Jahr zum Kaiser gekrönte Siegmund Gianfrancesco I. Gonzaga erst 1433; bei dieser Gelegenheit wird auch die Hochzeit seiner damals zehnjährigen Nichte Barbara von Brandenburg mit seinem Sohn Ludovico besiegelt. Und mit ihnen etablieren die Gonzaga schon eine Generation später in Mantua einen der glänzendsten Renaissance-Höfe Norditaliens und treten — zusammen mit ihren Frauen und Töchtern — als bedeutende Mäzene hervor. Dieses Paar, Barbara von Brandenburg aus dem Hause Hohenzollern (1423-1481) und Ludovico III. Gonzaga, genannt ,il Turccf (1414-1478), zweiter Marchese di Mantova," verkörpert die perfekte Verbindung von Herrschaft und Kunst; zusammen mit einer seiner Töchter wird es hier im Mittelpunkt stehen. An der Nordwand ihrer ,Camera degli sposi‘ oder Camera picta ist unter der linken Ar¬ kade der größte Teil der kinderreichen Familie versammelt: die Eltern, Ludovico und Barbara, und fünf ihrer acht lebensfähigen Kinder, der zweitgeborene Gianfrancesco, Ro- dolfo, der drittgeborene, und der kleine Ludovico sowie deren Schwestern Paola und Bar¬ bara (Abb. 1). 1 Siehe Abb. 1. Zum ikonografischen Programm der camera degli sposi siehe besonders Cordaro 1992: zur Datierung S. 11-13, Gesamtdarstellung S. 29; alle Details der „Parete settentrionale o del camino“ S. 71- 125; zum Portrait Paola Gonzagas S. 92; ich übernehme dessen Identifikation der in diesem Familien- portrait dargestellten Personen. Siehe ferner z.B. Malacarne 1997, S. 196-199; und De Nicolö Salmazo 1994, S. 161-179. Es gibt vier weitere idealtypische Darstellungen der erwachsenen Paola Gonzaga, Grä¬ fin von Görz, - jeweils zusammen mit Eeonhard von Görz als Stifterehepaar (vgl. z.B. Kollreider 1952, S. 139): (1) Auf dem um 1490 von Simon von Taisten gemalten Tafelbild mit dem Kreuzwunder der hei¬ ligen Elisabeth von Thüringen (vgl. Leonhard und Paola 2000, S. 69, Abb. 49). Es handelt sich wohl um ei¬ nen Sühnealtar für einen Eifersuchts-Anfall Leonhards von Görz: Die kaum weniger als das ,Rosenwun¬ der1 bekannte ,Kreuzwunder‘-Eegende der heiligen Elisabeth beschreibt, wie sich ein Leprakranker, den sie in ihrem Bett pflegt, in einen Gekreuzigten verwandelt, als ihr Gatte hinzu kommt (vgl. Pörnbacher 1993, S. 21 f.). (2) ln der Schlosskapelle von Görz, auf den um 1490/96 entstandenen Fresken der Schutsgnantelmadonna, ebenfalls von Simon von Taisten (vgl. Leonhard und Paola 2000, S. 7, Abb. 5 und S. 66, Abb. 44) und (3) des Tods Mariens mit Stifterpaar (vgl. Leonhard und Paola 2000, S. 67, Abb. 45-46; hier Abb. 13). (4) Postum zusammen mit ihrer als Säugling verstorbenen, auf dem Bild aber als Mädchen dar¬ gestellten Tochter auf dem rechten Flügel eines Stifteraltars aus der Werkstatt von Michael Pacher (Tirol, um 1500/1510) — vgl. Leonhard und Paola 2000, S. 83, Abb. 69-70; hier Abb. 14. 2 Zur Genealogie Barbaras von Brandenburg vgl. Hofmann 1881, S. 29. Sie ist die Enkelin Kurfürst Fried¬ richs VI. von Brandenburg. Zur Chronologie der Gonzaga vgl. Behne 1990, S. 194-200; zur Genealogie Hofmann 1881, S. 30f., sowie http://www.genealogy.euweb.cz/gonzaga/gonzaga2.html (Tag der Ein¬ sichtnahme: 6.4.2007). 57