riaüsiert sich wie kaum sonst die Funktion eines Andachtsbuches und das Ziel der An¬ dachtspraxis: Jolande, Besitzerin und Benutzerin des Buchs, kniet vor der Altarskulptur der Muttergottes mit dem Jesusknaben (Abb. 7). Sie hat ihr Gebetbuch — dasselbe, in das die Miniatur eingefügt ist, das der Benutzer vor sich hat? — beiseite gelegt und blickt, in Meditation versunken, zur Marienstatue auf, die zum Leben erwacht ist, was selbst das Schoßhündchen am unteren Bildrand bemerkt zu haben scheint: Maria richtet ihren Blick auf ¡olande, Jesus reckt ihr die segnende Hand entgegen. Die auf den Gebrauch des Ge¬ betbuchs und auf die darin versammelten Texte — und Bilder — gestützte Andachtspraxis hat die unmittelbare, ja leibliche Gegenwart Mariens und die direkte Kommunikation mit ihr bewirkt. Das Buch hat seine Funktion erfüllt, indem es sich, gleichsam hinter sich selbst verschwindend, überflüssig gemacht hat. Abb. 7: Gebetbuch der Yolande von Soissons: Yolande betet die Muttergottes an. New York, The Morgan Library and Museum, MS M. 729, Bl. 232'' (wie Anm. 12), Nr. 1. 30