Ämter eingebundene Personen Gebetbücher — Breviarien - brauchten und gebrauchten, ist es doch fast ausnahmslos ein Laienpublikum, an das die Stundenbücher sich wendeten: „lay people [...] sought for themselves a book that paralleled the use and function of the Breviary, the book containing the Divine office that the clergy prayed from daily.“2s Das Stundenbuch gewährte — oder garantierte gar -, wie Roger Wieck es ausdrückte, „a direct [...] and potentially uninterrupted access to God, the Virgin Mary, and the saints“"1 — zu¬ mal in einer Situation, in der der unmittelbare Zugang des Laien zu Glaubensdingen durch die Instanzen der Amtskirche kontrolliert und eingeschränkt war. Ein großer, wenn nicht der überwiegende Teil dieses Laienpublikums war weiblich, und es waren Frauen, die „a key role in the patronage of Books of Hours throughout their entire history“1' spielten, so Wieck, einer der besten Kenner der Materie. In den ersten 150 Jahren der Geschichte der Buchgattung war diese Rolle der Frauen essentiell: Man könnte behaupten, dass die Frau¬ en — anfangs Klosterfrauen, später Laien — hauptverantwortlich waren für die spezifische Entwicklung dieser Text und Bild als Informations- und Meditationsmedium vereinenden Buchgattung. Natürlich konnten die Auftraggeber solcher für den Gebrauch durch Frauen bestimm¬ ten Handschriften noch immer Männer sein, wie etwa bei der kurz nach 1235 wohl in Hildesheim entstandenen Luxus-Handschrift,11 einem Psalterium feratum, also eine durch die liturgische Erweiterung der Psalmen mit Antiphonen, Versikeln, Hymnen, Collectae, Capitula und Orationen zu den Offiziumstexten aller täglichen Gebetsstunden dem Bre¬ vier angeglichenen Textsammlung. Emailwappen auf dem Einband legen die Vermutung nahe, dass ein männliches Mitglied der Grafenfamilie von Werdenberg, wohl Hartmann I. von Werdenberg-Sargans, Auftraggeber des Buchs war. Gedient jedoch hat es der Pri¬ vatandacht einer Frau, wie nicht zuletzt aus der Formulierung im genus femininum pro me peccatrice im Gebet zu Ehren Christi auf Bl. 47 zu schließen ist. „Weitere Eigenheiten in Textauswahl und Ausstattung betonen den Charakter“ dieser mit 29 ganzseitigen Miniatu¬ ren auf Goldgrund in goldenen Rahmen, 27 Zierseiten und neun großen, teils figurierten Initialen überaus prächtig ausgestatteten Handschrift „als ein für die persönliche Andacht einer Frau eingerichtetes Gebetbuch“.1 Die vorangestellte Bilderfolge mit monumentalen Heiligengestalten, etwa dem Christophorus auf Bl. 10', denen auf Freiseiten kurze Ge¬ betsanrufungen beigefügt sind, „stellen [...] gleichsam eine Vorstufe (zu den) bebilderten Heiligenmemorien in den späteren Stundenbüchern dar“, wie Joachim Plotzek anmerkte. „Desgleichen weist die in deutsch eingetragene Gebetsanweisung zum Kreuzigungsbild Köln 1987; Bartz, Gabriele / König, Eberhard: „Die Illustration des Totenoffiziums in Stundenbü¬ chern“, in: Im Angesicht des Todes. Uturgie als Sterbe- und Trauerhilfe (Pietas Liturgica 3/4 ), St. Ottilien 1987, S. 487-528; Wieck, Roger S.: Time Sanctified. The Book of Hours in Medieval Art and Ufe (Ausstellungskatalog Walters Art Gallery Baltimore), New York / Baltimore 1988. 28 Ebd.,S. 14. 29 Ebd. 30 Ebd., S. 17. 31 Stuttgart, Württembergische Landesbibliothek, Cod. Donaueschingen 309. Siehe dazu Plotzek: Andachts- bücher (wie Anm. 27), Kat.-Nr. 3 (mit weiterer Literatur). 32 Plotzek: Andachtsbücher {wie Anm. 27), S. 73f. 27