Augustinerstifts Seckau in der Steiermark bestimmte lateinische Breviere überliefert, die außer dem lateinischen Grundbestand nicht nur deutsche Textpassagen enthalten, son¬ dern dem Haupttext auch kurze Bilderzyklen voranstellen. Während die eine der beiden in der Grazer Universitätsbibliothek verwahrten Handschriften" das Textcorpus mit einem Leben-Jesu-Zyklus aus acht ganzseitigen kolorierten Federzeichnungen (Abb. 1) einleitet,' enthält der zweite, etwas jüngere Codex4 einen mit Tierkreisbildern illustrierten Kalender, in den die Gramer Monatsregeln inseriert sind, sowie — und zwar in unmittelbarer Nachbar¬ schaft der deutschsprachigen Seckauer Mariensequeny — einen heilsgeschichtlichen Zyklus von fünf Federzeichnungen:" Eine Bilderfolge, die die erlösungstheologisch relevanten Ereignisse paradigmatisch vorstellt, wenn auch nicht in chronologischer, sondern in etwas verworren anmutender, wie auch immer zu deutender Folge; sicher war auch eine Kreuzi¬ gungsdarstellung geplant oder ist verloren gegangen. Im lateinischen, vermutlich für ein weibliches Mitglied der Babenberger angefertigten so genannten Ulienfelder Andachtsbuch(\ um 1200, sind zahlreichen der etwa 70 Miniaturen volkssprachliche Zeilen hinzugefügt worden (Abb. 2), zuweilen auch höchst umfängliche Vers-Erläuterungen. Und in dem gegen Ende der siebziger Jahre des 12. Jahrhunderts wohl in Trier geschriebenen und illustrierten Gebetbuch der Hildegard von Bingen haben vermutlich im dritten Jahrzehnt des 13. Jahrhunderts spätere Besitzerinnen manchen Illu¬ strationen neben lateinischen auch knappe deutsche Prosa-Beischriften hinzugefügt. ters. Freiburger Kolloquium 2004 (Wolfram- S tudi e n 19), Berlin 2006, S. 191-208, Abb. 32-41. 2 Graz, Universitätsbibliothek, Cod. 763, 2. Hälfte 12. Jahrhundert. Siehe zu diesen Handschriften Hell- gardt, Ernst: „Seckauer Handschriften als Träger frühmittelhochdeutscher Texte“, in: Alfred Ebenbauer u.a. (Hg.): Die mittelalterliche Literatur in der Steiermark: Akten des internationalen Symposions, Schloss Seggau bei Leibnity 1984 (Jahrbuch für Internationale Germanistik, Reihe A: Kongressberichte 23), Bern / Erankfurt am Main / New York / Paris 1988, S. 103-130. 3 Auf den Blättern 4V-9V, beginnend mit der Geburt Mariens und der Verkündigung an Maria, gefolgt von Christi Geburt, der Anbetung der Könige und der Darstellung im Tempel, endend mit drei Szenen aus der Passion. 4 Graz, Universitätsbibiothek, Cod. 287, um 1200. 3 Bl. lv-8r ein mit Tierkreisbildern illustrierter Kalender, Bl. 8V Seckauer Mariensequen^ Bl. 9r-12r Federzeich- nungszvklus: Gott mit Adam und Eva vor dem Baum der Flrkenntnis, Sündenlall, Auferstehung, Him¬ melfahrt, Christi Geburt. 6 W ien, Österreichische Nationalbibliothek, Cod. 2739*, um 1200 in Niederösterreich entstanden und von der Forschung mit den Babenbergern in Verbindung gebracht, vielleicht, wie Elisabeth Klemm („Das sogenannte Gebetbuch der Hildegard von Bingen“, in: Jahrbuch der kunsthistorischen Sammlungen in Wien 74 (1978) S. 29-78, hier S. 74) annimmt, von Eeopold VI. in Klosterneuburg „für ein weibliches Mitglied der Familie in Auftrag gegeben“. Siehe auch Dies.: „Der Bilderzyklus im Hildegard-Gebetbuch“, in: Hilde¬ gard-Gebetbuch. Faksimile-Ausgabe des Codex Latinus Monacensis 935 der Bayerischen Staatsbibliothek. Kommentar¬ band., W iesbaden 1987, S. 71-89, sowie Green, Rosalie: „The Vienna and Munich Prayerbooks“, in: Jan- Baptist Bedaux (Hg.): Annus Quadriga Mundi: Opstellen over middeleeuwse kunst opgedragen aan Prof. Dr. Anna Fsmeijer (Clavis. Kunsthistorische Monografieen 8), Lürecht 1989, S. 94-98. München, Bayerische Staatsbibliothek, Clm 935. Siehe dazu die in Anm. 6 genannte Eiteratur. 18