In diesem zentralen Abschnitt des Bandes wendet sich dann die Germanistin Nine MlEDEMA (Saarbrücken) den Vergegenwärtigungen fürstlichen, politischen Handelns in Sprechakten, in unterschiedlichen Sprecherrollen zu, wie sie sich einmal aus den zahlreich erhaltenen, aber kaum ausgewerteten Briefen der Elisabeth von Nassau Saarbrücken erge¬ ben, zum andern aber in den Schilderungen von Fürstinnen in den Romanen der Autorin aufscheinen. Dem fügt sich eine Behandlung der Darstellung sozialer Geflechte, von Fa¬ milienbeziehungen und Generationenkonflikten in den Romanen der Elisabeth durch In¬ grid BENNEWITZ (Bamberg) gut an. ln dem Beitrag von Brigitte BURRICHTER (Würzburg) steht Anne de France (1461- 1522), Tochter Königs Ludwig XI., Regentin für ihren Bruder Charles VIII. und spätere Herzogin von Bourbon, im Mittelpunkt. Sie hat um 1504 für ihre Tochter Susanne ein ,Lehrbuch4 geschrieben. In diesen ,Enseignements‘ vermittelt sie neben allgemeinen Verhal¬ tensregeln auch die besonderen Aufgaben einer adligen Frau. Ausgehend von diesem Ver¬ mächtnis wird Annes Selbstverständnis als Politikerin, Mäzenin und Autorin erschlossen. Patricia OSTER (Saarbrücken) geht dem Verhältnis von weiblicher Macht und weibli¬ chem Schreiben am Beispiel der Marguerite de Navarre (1492-1549) nach. Marguerite war als Schwester von Franz I. von Frankreich und Königin von Navarra eine Repräsentantin der Macht in der ersten Phase der absolutistischen Monarchie. Zugleich ist sie aber auch die Autorin einer bedeutenden Novellensammlung, die unter dem Titel ,L’Heptameron‘ bekannt wurde. Wie stellt sich der fiktive Raum des Novellenerzählens im Kraftfeld der Macht dar? Das ,Heptameron‘ bot Marguerite de Navarre die Möglichkeit, sich selbst in ihrer Identität als Königin in der Fiktion zu reflektieren und mit dem freiwilligen Verzicht auf eine ,Rhetorik der Macht4 einen Raum zu schaffen, in dem Normkonflikte, gesell¬ schaftliche Verändemngen und Machtfragen ausphantasiert und ausspekuliert werden können. Das letzte Themenfeld, in dem es um Frauenbildung, Frauenbilder, Frauenrollen geht, setzt mit der Frage ein, inwieweit die literarischen Interessen und die literarische Produk¬ tion adliger Frauen deren Einflussraum zu orientieren, vielleicht zu erweitern vermochten. Die hierfür zentrale Frage des Verhältnisses und Zusammenspiels von Bildung, literari¬ schen Interessen und Herrschaftsfunktionen behandelt exemplarisch die Historikerin Amalie FÖSSEL (Duisburg-Essen) am Beispiel der Frauen aus dem Herrscherhaus der Lu¬ xemburger, wobei sie auf ihrer grundlegenden großen Arbeit über die Frau als Herrsche¬ rin im mittelalterlichen Reich aufbauen kann. Eine eminent wichtige Rolle in der Etablierung weiblicher Bildung spielten im deutsch¬ sprachigen Raum die stetig wachsenden Frauenklöster des späten Mittelalters. Wie sie, die zu nicht geringem Teil selbst von Nonnen adliger Herkunft mitbestimmt wurden, Litera¬ tur produzierten und reproduzierten, Kultur vermittelten, Frömmigkeit und praktische Lehre förderten, diese Fragen sucht der amerikanische Germanist Albrecht CLASSEN (Tucson) zu beantworten. Am Schluss des Bandes stehen zwei germanistische Arbeiten, die sich der Modellierung von Herrscherinnen in verschiedenen Textsorten widmen. Tornas TüMASEK (Münster) behandelt die Herrscherinnenfiguren im Werk der Elisabeth von Nassau-Saarbrücken, Wolfgang HAUBRICHS (Saarbrücken) das Bild der Fürstin in Preisgedichten und Ehrenre¬ 14