rezipierten, gesammelten, ja teilweise selbst verfassten Literatur auffinden? Diese korrelierte Gruppe von Problemen und Fragen lässt sich kaum adäquat in Ein¬ zelanalysen beantworten, sondern nur mit komparadstischem Ansatz, im Vergleich, im Gespräch der fachlich für den jeweiligen Gegenstand primär kompetenten Vertreter der Disziplinen der Geschichte, Kunstgeschichte und einzelner Philologien. Dieses Gespräch, das so noch nicht geführt wurde, zu ermöglichen, zu beginnen ist der Sinn dieses aus ei¬ nem Kolloquium hervorgegangenen Bandes. Der Band gliedert sich nach den obigen Darlegungen in mehrere Themenkreise, deren drei erste sich an der Typologie der Beziehungen von adligen Frauen und Literatur aus- richten: 1) Literatur und Kunst (Handschriftenillustradon) für adlige weibliche Adressaten und Rezipienten 2) Adlige Damen als Mäzene und Sammlerinnen 3) Fürstliche Autorinnen (auch für Fürstinnen und Fürsten schreibende Autorin¬ nen). Die sich komplementär verstehende Sektion 4) Frauenbildung — Frauenbilder — Frauenrollen geht einmal den Handlungsspielräumen, den Funktionsräumen nach, die sich Herrscher¬ innen im späten Mittelalter eroberten, ferner den stützenden Bildungszentren, die sich der mentalen Orientierung der Frauen annahmen unci thematisiert schließlich die reflektierte Modellierung von Herrscherinnen in den sich im späten Mittelalter vervielfachenden volkssprachigen Romanen, Erzähltexten und Preisreden. Das Themenfeld „Literatur und Kunst für adlige Frauen“ wird zunächst erschlossen durch den lange Jahre den Katalog der deutschsprachigen illustrierten Handschriften des Mittelalters (Bayerische Akademie der Wissenschaften) betreuenden Kunsthistoriker Norbert OTT (München) mit einer Übersicht und Tvpologie der „illustrierten Andacht“, in der er exemplarisch die in großer Anzahl aus dem späten Mittelalter überlieferten be¬ bilderten Gebetbücher, Breviere und Andachtsbücher behandelt und damit zugleich die „Rolle der Frauen für Literatur und Kunst im Mittelalter“. Die Romanistin Angelika RlEGER (Aachen) geht der Darstellung von Petrarcas Trionfi auf den Brauttruhen der Paola Gonzaga in Graz nach. Petrarcas 1352-74 entstandene und 1470 erschienene Trionfi sind Visionen von sechs allegorischen Triumphzügen der Liebe, der Keuschheit, des Todes, des Ruhmes, der Zeit und der Ewigkeit. Barbara von Bran¬ denburg, Marchesa di Mantova (1423-1481), gab als Mäzenin und gebildete Adlige die Gestaltung der Brauttruhen für ihre ebenso gebildete Tochter Paola Gonzaga vor 1478 bei ihrem Hofmaler Andrea Mantegna in Auftrag. Kaiser Maximilian I. hatte mit Hilfe von Hofautoren seine eigene Biographie unter dem Signum des Helden eines Artusromans mit Namen ,Theuerdank‘ stilisiert überhöht. Das Werk erschien 1517 im Druck. Die Germanistin Martina BACKES (Fribourg) analysiert die bisher nie erörterte Rezeption dieses Schlüsselromans in einer für seine Tochter Marga¬ retha von Österreich 1528 gefertigten französischen Übersetzung. Margaretha, Herzogin 12