Königtums im lothringischen Herzogshaus auch wegen dessen Verwandtschaft mit den Trägern des Lilienwappens hohes Interesse fand. Der Erbe der Saarbrücker Lande, Elisabeths Sohn Johann (1442-72) sorgte später für die Abschrift der Werke seiner Mutter in bebilderten Prachthandschriften französischen Typs. Die Rezeption der Elisabeth-Werke vollzog sich zu einem großen Teil im Umkreis Bücher sammelnder Verwandter, z.B. der Blankenheimer und der Heidelberger Pfalzgra¬ fen. Eine weitere Verwandte der Elisabeth, die Pfalzgräfin Mechthild von Rottenburg, selbst Büchersammlerin und Zentrum eines anspruchsvollen literarischen Kreises, besaß eine Handschrift des ,Herpin‘-Romans; bei ihrem ,Hofdichter4 Hermann von Sachsen¬ heim finden sich Anspielungen auf dieses Werk. Schließlich zeigt sich Bibliotheksaufbau, aber auch Auftraggeberschaft bei Elisabeths Tochter Margarethe von Rodemachern (f 1490), etwa in ihrem bemerkenswerten, bebil¬ derten Weimarer Gebetbuch, dessen Anlage in einzelnen Andachtsbildern einzigartig ist. Durch ein Ausleihverzeichnis sind wir über Teile ihrer Bibliothek unterrichtet, Teile ha¬ ben sich in der Sayn-Wittgensteinschen Bibliothek (Berleburg) und in Hamburg erhalten. Im Vordergrund standen bei ihr Andachtsbücher, darunter erneut Übersetzungen aus dem Französischen, so wie wir auch durch die Bestandteile von Elisabeths in Gotha erhal¬ tenem und von Margarethe mit persönlichen Einträgen versehenen Gebetbuch über de¬ ren dominikanisch beeinflusstes Frömmigkeitsverhalten informiert sind. Zugleich lässt Margarethes Ausleihverzeichnis weitere Aufschlüsse über die Diffusion ihrer Bücher in andere Adelshäuser Lothringens, Luxemburgs und des Rheinlandes zu; darunter finden sich wieder als Adressaten einige adlige Damen. An der Familie der Elisabeth von Lothringen, für welche die Sicherung der Fakten, ih¬ rer historischen Wirksamkeit und der deutsch-französischen Literaturbeziehungen bereits in einem 2002 erschienenen Sammelband mit einem integrativen interdisziplinären Ansatz betrieben werden konnte1, lässt sich geradezu eine Typologie der Relationen zwischen Kunst, Literatur und adligen, fürstlichen Frauen ablesen: 1 Haubrichs, Wolfgang / Herrmann, Hans-Walter (Hg.): Zwischen Deutschland und Frankreich. Elisabeth von Eothringen, Gräfin von Nassau-Saarbrücken (Veröffentlichungen der Kommission für Saarländische Landes¬ geschichte und Volksforschung 34), St. Ingbert 2002. Vgl. jetzt Haubrichs, Wolfgang: „Mahl und Krieg. Die Erzählung der Adelskultur in den Texten und Bildern des Hamburger Huge Scheppel der Elisabeth von Lothringen, Gräfin von Nassau-Saarbrücken“, in: Catherine Drittenbass / André Schnyder (Hg.): Eulenspiegel trifft Melusine. Der frühneuhochdeutsche Prosaroman im Ucht neuer Forschungen und Siethoden (Chloe, Beihefte zum Daphnis 42), Amsterdam / New York 2010, S. 201-216 (mit 14 Abb.). Die Edition zweier weiterer Prosaromane Elisabeths, die ebenfalls auf französische Chansons de geste zurückgehen, des ,Herpin‘ und des ,Loher und Malier- wird von Bernd Bastert (Bochum) und Ute von Bloh (Potsdam) vorbereitet. Die Faksimile-Ausgabe des ,Huge ScheppcT von 1905 liegt in einem Nachdruck vor: Der Huge Scheppel der Gräßn Elisabeth von Nassau-Saarbrücken. Nach Handschrift der Hamburger Stadtbibliothek mit ei¬ ner Einleitung von Hermann Urtel\ Hamburg 1905, Nachdruck Saarbrücken 2007. 10