Ruth Kunz Der Saar-Mosel-Raum als lexikalischer und ono- mastischer Begegnungs- und Interferenzraum. Das DFG-Projekt ,Nordwörteri und ,Siid Wörter' Systematisch betriebene Sammlungen von Flurnamen eignen sich in beson¬ derer Weise für sprach- und siedlungsgeschichtliche Untersuchungen des Rau¬ mes, in dem diese Namen entstehen und überliefert werden, denn gerade die Flurnamen haben eine große Nähe zur sprachlichen Grundschicht, ihre kom¬ munikative Reichweite ist relativ gering,1 sie konservieren im appellativischen Wortschatz untergegangene Wörter, sie sind datierbar und sie besitzen darüber hinaus im Vergleich mit anderen Materialkategorien noch weitere Vorzüge: „Nicht zuletzt die dem Appellativbereich noch am nächsten stehenden Flur¬ namen eignen sich hervorragend als Quelle für die historische Dialektgeo¬ graphie. Sie sind nicht nur durch eindeutige Lokalisierbarkeit gekennzeichnet, sondern führen auch durch relativ dichtes Vorkommen zu engmaschigeren Belegnetzen“ (Debus 1983, S. 932). Eine kombinierte Flur- und Siedlungs¬ namensammlung Für das Saarland und das germanophone Lothringen wurde von Wolfgang Haubrichs (in den Anfängen vor rund 30 Jahren noch unter Mitwirkung von Hans Ramge) in Saarbrücken aufgebaut: das Archiv für Sied- lungs- und Flurnamen des Saarlandes und des germanophonen Lothringen (ASFSL). Das Untersuchungsgebiet des ASFSL, im Folgenden auch Saar- Mosel-Raum genannt, ist in Abb. 1 dargestellt. Es umfasst außer dem Saar¬ land die deutschsprachigen Teile der lothringischen Departements Moselle, Meurthe-et-Moselle und Vosges bis zur historischen Sprachgrenze nach ihrem 1 Vgl. die Anmerkungen Wolfgang Kleibers über den altertümlichen landwirtschaft¬ lichen Sachwortschatz: „Die Ergebnisse der historischen Wortgeographie [...] mah¬ nen zur Vorsicht gegenüber übertrieben dynamischen Auffassungen von der Flexi¬ bilität des Wortschatzes. Gewisse Denotatklassen kleben geradezu am Boden.“ (Kleiber 1975, S. 148) - Im Folgenden verwendete Abkürzungen und Zeichen, außer den üblichen (in alphabetischer Reihenfolge): afrz. = altfranzösisch, ahd. = althochdeutsch, aengl. = altenglisch, afries. = altfriesisch, anord. = altnordisch, asächs. = altsächsisch, Dep. = Departement, dt. = deutsch, Fä. = Fälschung, fern. = feminines Genus, fmhd. = frühneuhochdeutsch, frz. = französisch. Gde. = Gemein¬ de, germ. = germanisch, got. = gotisch, Jh. = Jahrhundert, Kop. = Kopie, kopiale Überlieferung, Kr. = Kreis (auch in Zusammensetzungen wie Landkr.), Krst. = Kreisstadt, Kt. = Kanton, lat. = lateinisch, lit. = litauisch, mask. = maskulines Genus, mfrz. = mittel französisch, mhd. = mittelhochdeutsch, mnd, = mittelnieder¬ deutsch, mnl. = mittelniederländisch, neutr. = neutrales Genus, nhd. = neuhoch¬ deutsch, Or. = Original, originale Überlieferung, PI. = Plural, urgerm. = urgerma- nisch, * = rekonstruierte Form, < = entstanden aus, /.../ = Phonem, [...] = phoneti¬ sche Transskription, (...) = Graph, Graphem. 535