Schlüsse auf die Qualität, nicht jedoch auf die Quantität dieses Vokals zu. Auch die rezente Schreibform Losau hilft diesbezüglich nicht weiter. Der darin enthaltene Langvokal ö kann theoretisch sowohl auf langes als auch auf kurzes slavisches a zurückgeführt werden. Erst durch die Berücksichtigung der Mundartform wird eine eindeutige Aussage möglich. Die Siedlung Losau liegt im nordbairischen Dialektgebiet, und im Nordbairischen kann der Diph¬ thong [94] nur auf den Langvokal ä zurückgehen. Kurzes a hätte sich hier zum Monophthong [ö] entwickelt. Slav. a wurde also in diesem Fall eindeutig durch ä ersetzt. Auch im Landkreis Bayreuth begegnet der auf slav. *Lazane beruhende Siedlungsname Losau. Dessen ostfränkische Mundartform [lösn] gibt keinen Aufschluss über die Quantität des substituierenden Vokals, doch liegt uns hier auch eine dialektale Namenform aus dem nur wenige Kilometer entfernten nordbairischen Gebiet vor, die wie bei dem in der Oberpfalz gele¬ genen Losau [1qi|su] lautet und uns damit zum gleichen Ergebnis führt/ SN *Nambgoscb: 1119 (Fälschung 12. Jh. E.) Namegast, 1366-68 Nongast > [oqijkns], Nunkas (abgegangen westl. Grafenwöhr, Lkr. Neustadt a. d. Wald¬ naab) Auch bei diesem Beispiel, einer Ableitung mit dem possessivischen Suffix -jb von dem Personennamen *Nambgostb, weist der dialektale Diphthong auf den Langvokal ä als Ersatzlaut. Nur erscheint er hier vor Nasal in der für das Nordbairische kennzeichnenden Lautung [09]. Aus den historischen Erwäh¬ nungen des Siedlungsnamens ist die Vokalquantität nicht zu erschließen. Die zuletzt greifbare Namenform Nunkas aus dem 20. Jahrhundert enthält den Kurzvokal u. PN *Mal-nu: SN 1218 Malasrvth, 1268 Molansrevt > [mälns'rTnd], Mallers- richt (Stadt Weiden i. d. OPf.) Der im Bestimmungswort des Mischnamens Maliersricht enthaltene slavi- sche Personenname zum Stamm *Mal- (bzw. *Mäl-) ist mit einem «-Suffix gebildet. Die Belege des 13. Jahrhunderts deuten daraufhin, dass am ehesten von *Malan(b) auszugehen ist. Angesichts der Vokalkürze in der rezenten Schreibform und auch in der Mundart stellt sich die Frage, ob sich die Kür¬ zung bereits im Slavischen (vgl. alttschechische Personennamen wie Malhost, Malis oder Mal’ata mit kurzem a) oder aber erst im Deutschen, wo a in nebentoniger Silbe stand, vollzogen hat. Eine Entscheidung ist nach derzeiti¬ gem Erkenntnisstand nicht möglich. Allgemein ist zu bemerken, dass der nordbairische Dialekt für unsere Zwecke eine sehr gute Grundlage bietet, weil er im Bereich des Vokalismus stark ausdifferen¬ ziert ist und damit ein bestimmter mundartlicher Vokal meist einem bestimmten alt¬ hochdeutschen oder mittelhochdeutschen Vokal zugeordnet werden kann. 6 Svoboda 1964, S. 78, 151, 164. 335