geförderte bairisch-langobardische Heiratspolitik sollte dann bis zum Ende beider Herrschaften 774/777 fortdauern, wie es darüber hinaus auch weitere, besonders kulturelle Beziehungen zwischen den beiden benachbarten Stämmen gab. Beide Vorgänge, die Kämpfe der Baiern mit den Slawen und die Beziehungen der Herrschaftshäuser der Baiern und der Langobarden, sprechen dafür, dass um 600 die Baiern von ihrem Herzogssitz in Regensburg aus die Wegstrecke Inntal - Brenner - Eisacktal und dann einerseits nach Osten ins Pustertal und andererseits durch das Etschtal nach Süden in die Poebene durchzogen haben.,s Sie werden dieses Nord- und Südtiroler Gebiet im 7. Jahrhundert bald auch politisch behauptet haben, wobei dann um 680 Bozen der Sitz eines bairischen Grafen war und sich südlich davon die Grenze gegen die Langobarden mit ihrem Herzogssitz in Trient ergab. Im Pustertal reichte die östliche slawische Ansiedlung bis Aßling westlich von Lienz, bis wohin sich dann auch der Grundbesitz von Innichen erstreckte. Für das Pustertal setzt dies auch eine gewisse, zumindest militärische bairische Präsenz voraus, um ein neuerliches westliches Vordringen der Slawen zu verhindern. Obwohl alle diese Gebiete nach Auskunft der Ortsnamen von Romanen bewohnt waren, kann man annehmen, dass sich die Baiern an einzelnen dort befindlichen Orten festsetzten, was sich zumindest an den eingedeutschten Namen der einstigen römischen, wenn auch archäologisch nicht sicher festzumachenden Befes¬ tigungsanlagen Zirl, Wilten und WippXdX für Vipitenum/Sterzing ablesen lässt. Dazu kommen, wenn teilweise auch bezweifelt, doch der Lage nach nicht unwahrscheinlich die Gewässernamen Zitier und Pflersch und die Gegend¬ namen Langkampfen, Pfons und +Nurihtal, wobei Flüsse stets feste Orien¬ tierungspunkte in der Landschaft abgaben, so dass deren Namen immer wieder tradiert wurden. Obwohl die Einbeziehung von Innichen, die für die ältere Forschung uneingeschränkt feststand, nun gelegentlich bezweifelt wird, so ist dies nicht unwahrscheinlich. Wenn Herzog Tassilo III. 769 hier im Grenzraum gegen die Slawen ein Stift zu deren christlicher Missionierung errichtet, dann kann es sich dabei durchaus um einen Ort bairischer Memoria an die kriegerischen Ereignisse von 592-610 handeln, über die Paulus Diaconus aus langobardischer Überlieferung noch 200 Jahre später weiß. Es ist daher auch aus geschichtlicher Sicht die Annahme möglich, dass der Name Innichen den Baiern bereits um 600 als * Indien bekannt und in die Tenuesverschiebung ein¬ bezogen wurde und bei ihnen lautverschoben weiterlebte, während bei den Romanen der Gegend dann die jüngeren romanischen Lautentwicklungen mit Inlautlenierung und Kontraktion eintraten. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass das Gebiet Inntal - Brenner - Eisacktal - Pustertal, wie es nun Heitmeier 2005, S. 200ff. und noch deutlicher zusammenfassend 2005a anzunehmen versucht, nicht unter bairischer, sondern unter fränkischer Hoheit ge¬ standen habe. 197