Rolf Max Kully Tausendvierhundert Jahre Geben und Nehmen: Deutsch und Welsch im Schweizer Jura1 Bereits vor der Einladung zur diesjährigen Tagung war ich gebeten worden, mich mit der Romania Basiliensis, also den galloromanischen Resten in der Region Basel, zu befassen. Dieses Thema wurde schon mehrfach souverän behandelt, unter anderem von Wilhelm Bruckner3, Bruno Boesch1 und Stefan Sonderegger4 5, Wolfgang Kleiber und Maria Besse6. Ihre Arbeiten sind all¬ gemein zugänglich, ich werde also im ersten Teil meines Referats nur zur Auffrischung der Fakten auf sie zurückgreifen und Bekanntes rekapitulieren. 1. Historisch-linguistische Übersicht Die Stadt Basel war während des ganzen Mittelalters das unangefochtene Zentrum des Oberrheins bis weit ins Eisass und in den Schwarzwald. Der 1 Für die kritische Lesung dieses Vortrags sowie für weiterführende Hinweise danke ich lie. phil. Heidi Blaser und den Dres. Kaspar Egli, Markus Gasser, Elisabeth Kully und Thomas Franz Schneider sowie Herrn Kollegen Albrecht Greule. 2 Bruckner, Wilhelm: „Die Bedeutung der Ortsnamen für die Erkenntnis alter Sprach- und Siedlungsgrenzen in der Westschweiz“, in: Fox Romanica 1 (1936) S. 235-263; Ders.: Schweizerische Ortsnamenkunde. Eine Einführung, Basel 1945. Boesch, Bruno: „Ortsnamenprobleme am Oberrhein (1963)“, in: Bruno Boesch: Kleine Schriften zur Namenforschung: 1945-1981. Zum 70. Geburtstag herausgegeben von seinen Schülern (Beiträge zur Namenforschung, Beiheft N.F. 20), Heidelberg 1981, S. 245-265; Ders.: „Das Frühmittelalter im Ortsnamenbild der Basler Region (1976)“, in: ebd., S. 393-422; Ders.: „Grundsätzliche Erwägungen zu den nichtdeutschen Orts- und Flurnamen am Oberrhein und im Schwarzwald (1965)“, in: ebd., S. 266- 293. 4 Sonderegger, Stefan: „Die althochdeutsche Schweiz. Zur Sprach- und Siedlungs¬ geschichte der deutschen Schweiz bis 1100“, in: Sprachleben der Schweiz: Sprach¬ wissenschaft, Namenforschung, Volkskunde. Rudolf Hotzenköcherle zum 60. Ge¬ burtstag gewidmet, Bern 1963; Ders.: „Die Ausbildung der deutsch-romanischen Sprachgrenze in der Schweiz im Mittelalter“, in: Rheinische Vierteljahrsblätter 31 (1966/67) S. 223-290. 5 Kleiber, Wolfgang: „Auf den Spuren des Voralemannischen Substrats im Schwarz¬ wald“, in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 108 (1960) S. 305-371. Besse, Maria: Namenpaare an der Sprachgrenze. Eine lautchronologische Untersu¬ chung zu zweisprachigen Ortsnamen im Norden und Süden der deutsch-franzö¬ sischen Sprachgrenze (Beihefte zur Zeitschrift für romanische Philologie 267), Tübingen 1997. 131