verschiedenen romanischen Mundarten mit Hilfe des Germanischen aus dem Lateinischen gebildet haben“,9 weil die germanischen Wanderungen die Aus¬ bildung der romanischen Volkssprachen wenn nicht eigentlich verursacht, so doch enorm beschleunigt hätten, wird ein Einfluss des Fränkisch-Voralthoch- deutschen beim Zustandekommen der altfranzösischen Deklinationsparadig¬ men einstämmiger Personennamen teils romanisch-christlichen, teils germani¬ schen Ursprungs, wie Pierre!Perron, Hugues/Huon oder Charles!Charlon bzw. ihrer weiblichen Entsprechungen Eve/Evain, Berte!Bertain, IdeHdain, usw., für möglich, ja sogar für offensichtlich gehalten.1" An anthroponymische Vorbilder dieser Art haben sich eine beachtliche Reihe ursprünglich femininer Gewässernamen auf -ain für durchweg kleinere Flüsse und Bäche (Ornain, Serain, Terain, usw.)11 sowie im Appellativwortschatz Personenbezeich¬ senschaft aus dem Geiste der Romantik Jakob Grimm und Friedrich Diez“, in: Frank Fürbeth (Hg.): Zur Geschichte und Problematik der Nationalphilologien in Europa. 150 Jahre Erste Germanistenversammlung in Frankfurt am Main (1846- 1996), Tübingen 1999, S. 221-240. Zitat nach Meier, Harri: „Zur Geschichte der Erforschung des germanischen Super- stratwortschatzes im Romanischen“, in: Herbert Kolb (Hg.): Sprachliche Interfe¬ renz. Festschrift für Werner Betz zum 65. Geburtstag, Tübingen 1977, S. 292-334, hier S. 313f., und Schlemmer, Gerd: Die Rolle des germanischen Superstrats in der Geschichte der romanischen Sprachwissenschaft, Hamburg 1982, S. 138. Zur Er¬ klärung des Typs ber-baron hat Friedrich Diez den germanischen Superstrateinfluss freilich noch nicht bemüht, vgl. dazu Paris, Gaston: „Les accusatifs en -am“, in: Romania 23 (1894) S. 321-348, hier S. 327: „II y vit simplement l’accusatif latin en -am qu'on aurait muni d'accent. Cette explication soulevait bien des problèmes.“ Paris (ebd. S. 331) gibt dazu mit Recht zu bedenken, dass Diez’ Erklärungsversuch, der einen Erhalt des alten lateinischen Akkusativs -am voraussetzt, chronologische Bedenken entgegenstehen. Der frühe Schwund des konsonantischen Elements der alten Akkusativ-Endung ist kaum zu bestreiten; vgl. dazu u.a. Fouché, Pierre: Pho¬ nétique historique du français, Bd. 3: Les consonnes et index général, Paris 21966, S. 650f.; Lausberg, Heinrich: Romanische Sprachwissenschaft, Bd. 2: Konsonantis¬ mus, Berlin 1967, S. 78. Außerdem hätte sich eine Form -aim ergeben müssen, die nirgends belegt ist. Diez’ Ansatz hat also für sich, dass er die Haupttonigkeit der ursprünglichen Endung erkennt, lässt aber das -n- unerklärt. 10 Vgl. aus der jüngeren Forschung z.B. Brüch, Josef: „Die bisherige Forschung über die germanischen Einflüsse auf die romanischen Sprachen“, in: Revue de linguis¬ tique romane 2 (1926) S. 25-112, hier S. 58 („höchstwahrscheinlich“); Väänänen, Veikko: „A propos de l’s final dans les langues romanes“, in: Boletim de Filologia 11 (1950) S. 33-40, hier S. 38 („influence germanique [...] assez généralement admise“); Moignet, Gérard: Grammaire de l’ancien français, Paris 1976, S. 24 („peut-être germanique“); Stefenelli: „Sonderstellung“ (wie Anm. 2), S. 72 („weit¬ gehend gesichert“); Zink, Gaston: Morphologie du français médiéval, Paris 41997, S. 26 („Bérta -âne [réfection de Bérta -ün, germ.]“). Die Beispiele ließen sich un¬ schwer vermehren. 11 Dazu ausführlich Thomas, Antoine: „Les noms de rivières et la déclinaison fémi- 115