Maria Giovanna Arcamone Die Verteilung der Ortsnamen langobardischen Ur¬ sprungs in den Regionen Italiens Geschichtliche Quellen und archäologische Funde haben deutlich gezeigt, dass fast die ganze Halbinsel Italiens in der zweiten Hälfte des sechsten Jahr¬ hunderts durch die Langobarden erobert und besetzt wurde (Jamut 1982; Menis 1990; Pohl/Erhart 2005; Haubrichs 2005). Man weiß auch, dass unter dem Namen der Langobarden auch andere Stämme nach Italien eingewandert sind, die mit ihnen einen Bund bildeten wie Alanen, Gepiden, Schwaben, Sachsen usw. (Belli 2008; vgl. Abb. 1 Ethnika).' Dazu muss gleich bemerkt werden, dass man lange geglaubt hat, es gäbe langobardische Ortsnamen nur in Mittel- und Oberitalien, besonders in der Lombardei, die auf Grund ihres Namens direkt an die Langobarden erinnert: Man denke an Gamillscheg (RG II, K. II) und an einige Besprechungen (Schützeichel 1970) des Nachdrucks des Werkes Die Sprache der Lango¬ barden (1895) von Wilhelm Bruckner im Jahre 1969. Dagegen hatte schon im Jahre 1963 der romanistische Philologe Francesco Sabatini auf die große An¬ zahl von langobardischen Personen- und Ortsnamen gerade in Süditalien hin¬ gewiesen. Neben den geschichtlichen Quellen und den archäologischen Funden existiert auch eine andere sehr wichtige Quelle, und zwar die italienische Sprache selbst: In Bezug auf die Langobarden hat diese das große Verdienst, der Schrein der langobardischen Sprache zu sein. Wie alle wissen, sind bisher keine in der Sprache der Langobarden geschriebenen Texte bekannt, dagegen bewahrt eben die italienische Sprache eine große Anzahl von Lehnwörtern langobardischen Ursprungs, worunter Ortsnamen einen bedeutenden Platz ein¬ nehmen (Bertoni 1914; RG 1935; Sabatini 1963; Frau 1969; Mastrelli 1973, 1983, 2001; Arcamone 1983, 1985, 1994, 2006a mit Bibliographie, 2007; Zamboni 1994; Pfister 2004; Morlicchio 2004). In der Tat hat man bisher mehr als tausend mit einem Etymon langobar¬ dischen Ursprungs gebildete Ortsnamen in Italien entdeckt, viele sind schon vor dem Jahre 776 in den Urkunden des CDL belegt: Amiate (CDL II, Urk. 248, S. 325; heute Amiäta, Siena) a. 770 < *haimödi- Avane (CDL I, Urk. 17, S. 48, usw.; heute Avana, -e, Brolio, Chianti, Siena, siehe auch unten Leonis) a. 714 < *laihwna- Brada (CDL III, 1, Urk. 33, S. 207; heute Breda (Breda Libera, Brescia) a. 760 < *braidö- Chinzia (CDL II, Urk. 214, S. 239; Val di Cornia, Livorno) a. 768 < *gunthjö- 1 Alle Abbildungen sind von meinem Mitarbeiter Dr. Belli entworfen worden. 65