diese Annahme zumindest. Aufgrund der Bedeutung ,Hetze4 kann man auch an das eingangs beim Lingonenfürsten genannte aristokratische Vergnügen denken: an die Jagd. Philagrius wirkt vor diesem Hintergrund wie eine Teil¬ übersetzung des komponierten Namens Su-agrius ,sehr wild' (KGPN S. 272) oder, von su-agro- ausgehend, ,mit gutem Kampf, gut in der Schlacht4. Das .Kampf-Motiv wird in den Namen Ecdicius, falls ,Rächer4, Alcima ,wehrhaft, stark' und Roscia ,rot (vor Rage)4 variiert. Eparchius Avitus selbst trägt ebenfalls einen aussagekräftigen Namen. Zunächst fällt auf, dass Eparchius onomastisch kaum belegt ist. Im Lexicon of Greek Personal Names (LGPN I S. 154) ist er bisher nur wenige Male für die Ägäis bezeugt. An bekannten Persönlichkeiten kann nur auf den Historiker Eparchides verwiesen werden. Sonst kommt E7iapxo<; lediglich als Titel .Vor¬ gesetzter, Befehlshaber4 vor (lateinisch praefectus). Im Gallischen sind dagegen vergleichbare Bezeichnungen auch als Eigennamen geläufig, wie Valos .Fürst, Herrscher4 (OLG S. 306), Atevalos .Großfürst4 (GPN S. 269- 271), Vertamos .Oberster4, Tigernos .Herr4 u.a. zeigen. Übertragungen ins Lateinische liegen z.B. bei Regulus .Kleinkönig4 (Übersetzungsname) und Valerius (Assonanzname, Co$kun/Zeidler 2003, S. 49f.) vor. Bei Eparch(i)us könnte auch eine Anspielung an die verbreiteten Elementen epo- .Pferd4 und argo- ,Held4 (DLG S. 54, urverwandt mit griechisch archös .Anführer, Ober¬ haupt4), etwa *ep-argos .Reiterchampion4, intendiert gewesen sein. Anders liegt der Fall bei Avitus, der eine geläufige italische Tradition widerzuspiegeln scheint. Ihm liegt wohl lateinisch avus .Großvater4 zugrunde (Kajanto 1965, S. 304), doch kann vielleicht auch (h)avere .sich an etwas freuen, begehren4 vermutet werden (vgl. DLG S. 61). Letzteres liefert eine homophone wie auch homonyme Entsprechung zu der genuin keltischen Prä¬ gung mit dem Lexem avi- .Wunsch, Begierde4 bzw. avito- .erwünscht4. Damit gebildete Onyme liegen aus der festland- und inselkeltischen Überlieferung vor: Avi-cantus (kymrisch Eu-gan), Avia-ricis, Amhi-avi. Altbretonisch Out- ham und kymrisch Eudaf setzen einen Superlativ *Avitamos ,der sehr Er¬ wünschte4 voraus. Ein keltischer Einfluss wird bei Avitus und ähnlichen Na¬ men wie Avianus, Avitius, Avitianus allgemein akzeptiert (DLG S. 61; Loch- ner von Hüttenbach 1988, S. 151; KGPN S. 143; ACS I Sp. 313ff). Diese Einschätzung wird durch zahlreiche Übersetzungsnamen in den keltisch¬ sprachigen Provinzen unterstützt wie Cupitus, Desideratus, Optatus, Speratus u.a. (Co§kun/Zeidler 2003, S. 27). Der Name von Avitus’ Tochter Papianil/a ist ein Diminutiv, das auf das nomen gentile Papius und damit letztlich auf den Individualnamen Papus zurückgeht (Schulze 1966, S. 132). Er klingt zwar an gallisch päpos Jeder4 an {DLG S. 246f., urkeltisch *kuä-kuo-s, altirisch cäch, mittelkymrisch pawb), doch scheint dieses Wort nicht dem onymischen Lexikon anzugehören. Die wenigen Belege in Gallien (ACS II Sp. 927f.) können auf die mediterranen (besonders altkleinasiatischen) Namen zurückgeführt werden. 19