in Spanien aus dem Wirken bedeutender Mitglieder dieser Familien in der Region zu erklären. Dies muss nicht im Zusammenhang mit der Bürgerrechts¬ verleihung stehen, denn einen solchen scheint es nicht zwingend gegeben zu haben (Coçkun 2005, S. 18; Dyson 1980/81, S. 298). Bernard Rémy (2001, S. 77) hat Cato zwar als lateinisch eingestuft, rechnet aber mit Einflüssen der einheimischen Namenstradition. Und in der Tat finden sich zahlreiche Beispiele mit der Basis cat- wie Catonos, Catusso, Catusius, Catulus, die zwar als lateinisch-mittelländisch gelten können, obwohl die Suffixe -o/io-, -ulo- usw. auch im Keltischen Vorkommen. Aber bei Komposi¬ ta wie Catu-marus, Catu-rix und Catu-volcus ist eine lateinische Erklärung schwer möglich. Hier sind die Hinterglieder zu deutlich keltischen Ursprungs. Auch das Vorderglied lässt eine Beziehung zum gallischen Lexikon erkennen. Es gibt ein Wort catu/o- ,Kampf, Schlacht', das häufig in der Personennamen¬ gebung auftritt, vgl. irisch cath, kymrisch cad (damit verwandt sind griechisch kötos ,Hass, Groll3 4, altnordisch hçâ ,Kampf, mittelhochdeutsch hader ,Schlacht4). CaturJx heißt wörtlich ,Schlachtenkönig4, Catuvolcos ,Kampffal¬ ke4, Catumoccus ,Kampfsau4, Catumäros ,Großer im Kampf. In der Form Cadfawr begegnet letzterer noch im mittelalterlichen Wales. Freilich braucht man sich auch hier der Bedeutung dieser Namen nicht immer bewusst gewe¬ sen zu sein. Es gibt also die Möglichkeit, Personennamen in zwei onymischen Systemen verschieden zu ,lesen4. Und es liegt auf der Hand, dass ein Angehö¬ riger einer zweisprachigen Gesellschaft mit beiden Anschlussmöglichkeiten ,spielen4 konnte. Woher können wir aber wissen, dass hier tatsächlich ein code switching vorliegt (Adams 2003a, S. 18-29; 383-416; 2003b)? Darauf können die folgenden Kriterien annäherungsweise eine Antwort geben: (1) Eine schriftlich belegbare Intention ist natürlich das beste Argument, es ist aber nur selten verfügbar. In der Familie des Ausonius von Bordeaux finden sich solche expliziten Hinweise auf einen intendierten Doppelsinn von Namen. In einem Gedicht, das er seinem Landsmann Aldus Paiera gewidmet hat (Professores IV 1 lf.), sagt er, dass Attius’ Beiname Paiera die Wiedergabe eines (sonst unbekannten) gallischen Wortes für ,Mysterienpriester4 sei und nicht das offenkundig anklin¬ gende lateinische paiera, das eine flache Schale bezeichnet, wie sie beim Opfer verwendet wurde. (2) Biographisch-prosopographische Hinweise können Aufschluss darüber geben, ob Details eines Lebenslaufs, Namengebräuche oder Aussagen einer Familie, befreundeter Personen oder einer sozialen Schicht eine Bezugnahme auf einheimisches Namengut wahrscheinlich machen. (3) Sprachzugehörigkeit und Etymologie können bei Namen angeführt werden, die entweder als sprechende4 Namen betrachtet werden können oder die Eigentümlichkeiten von Lauten oder Lautkombina¬ tionen aufweisen, die nur in einem onomastischen Lexikon vorhanden