gefangenen, Ausländern, männlichen Jugendlichen sowie älteren Arbeitern ebenfalls weibliche Arbeitskräfte zunutze. Ende August 1917 war mit 1.287 Frauen der regionale Höchststand erreicht. Anders als im rheinisch-westfälischen Kohlenrevier wurden hier Arbeiterinnen jedoch nur zu Hilfsdiensten über Tage herangezogen.20 Wurde in der Vorkriegszeit noch von weiten Kreisen gegen die Erwerbsarbeit - insbesondere der verheirateten Frauen - polemisiert, so fand sich im Krieg ein breites Bündnis von Unternehmern, Staat und Frauenbewegung, um Arbeits¬ kräfte für die Kriegswirtschaft zu mobilisieren. Während die militärische Führung unter Hindenburg und Ludendorff vor dem Hintergrund lang anhaltender Materialschlachten auch die Einbindung der Frauen in eine allgemeine Dienst¬ verpflichtung anvisierte, hintertrieb die zivile Regierung dieses Anliegen unter Anführung "allerschwerster Bedenken" in "wirtschaftlicher, sittlicher und sozi¬ aler Hinsicht". Selbst die Frauenbewegung schreckte vor dieser "völligen Revo- lutionierung aller Lebensbedingungen" zurück, stellte aber im Falle freiwilliger Erfassung der Frauen ihre Mithilfe in Aussicht. Im November 1916 richtete die Reichsregierung schließlich das Kriegsamt mit angeschlossener Frauenarbeitszentrale zur Mobilisierung der Frauen auf freiwil¬ liger Basis ein. In der analog gebildeten Saarbrücker Kriegsamtsstelle stand die sozial engagierte Oberlehrerin Anna Rawengel dem Frauenreferat vor, wenig später eröffnete der Saarbrücker Arbeitsnachweis eine spezielle Abteilung für weibliche Beschäftigte, die alle Arten von "Kriegsarbeit" vermittelte. Hinzu kam die "Fürsorge-Vermittlungsstelle", die das Ziel verfolgte, den "arbeitenden Frauen tunlichst alle sich ihrer Arbeit entgegenstellenden Hindernisse aus dem Weg [zu] räumen." Sie bot Arbeitsberatung für Frauen und Mädchen, aber auch Hilfe bei der Unterbringung kleiner Kinder an.21 Bei den "Kriegerfrauen" erwies sich jedoch neben den familiären Belastungen die Anrechnung ihres Verdienstes auf die kommunalen Beihilfen als großer Hemmschuh, erwerbstätig zu werden. Sowohl das Kriegsamt als auch die Rüs¬ tungsfabriken, die auf die Frauen angewiesen waren, übten zunehmend Druck auf die Kommunen aus, die schließlich den erwerbstätigen Frauen einen gewis¬ sen Betrag zusicherten, der nicht auf die Unterstützung angerechnet wurde.22 Was sich den Zeitgenossen jedoch als eklatante Zunahme der weiblichen Er¬ werbsarbeit darstellte, war in Wahrheit eine ungeheure Umschichtung auf dem Arbeitsmarkt. Frauen aus Textilfabriken und anderen Branchen sowie Dienst¬ mädchen und Landarbeiterinnen strömten in die besser entlohnte Kriegsindustrie 20 Ruth (Anm. 2), S. 180ff. 21 Susanne Nimmesgern, In "eiserner Zeit". Lebensverhältnisse von Frauen und Mädchen im Ersten Weltkrieg, in: Frauenleben - Frauen leben. Zur Geschichte und Gegenwart weibli¬ cher Lebenswelten im Saarraum (17.-20. Jahrhundert), hrsg. von Eva Labouvie. St. Ingbert 1993, S. 64-85, hier S. 79f. 22 Ebd., S. 81. 277