bereits seit Anfang 1939 zunehmend ausländische Bergarbeiter zur Lösung des Arbeitskräfteproblems im Ruhrbergbau in das Blickfeld gerieten.14 Diese vor allem an der Ruhr heftig beklagte "Flucht aus dem Bergbau" betraf den Saarbergbau offensichtlich sehr viel weniger, obwohl das Saarland all¬ gemein wie das Ruhrgebiet eine Abwanderungsregion war und unter der Ab¬ wanderung zahlreicher leistungsfähiger Facharbeiter litt.1" Den "Arbeitseinsatz" im Bergbau berührte dies jedoch kaum. Die Bezirksgruppe Saar jedenfalls meldete der Wirtschaftsgruppe Bergbau Ende 1938 ganz im Gegensatz zu allen anderen Kohlenrevieren, die z.T. über einen erheblichen Arbeitskräftemangel klagten, dass es an der Saar keinerlei Schwierigkeiten mit dem "Arbeitseinsatz" gebe, da wegen des besonders hohen Hauseigentümeranteiles unter den Berg¬ leuten und der aktiven Brauchtumspflege die Bindung zum Bergmannsberuf im saarländischen Revier tief verankert sei.16 Entsprechend unterschiedlich stellte sich der Arbeitskräftebedarf kurz vor Kriegsbeginn dar. Der Ruhrbergbau bezif¬ ferte seinen Sofortbedarf auf über 18.000 Mann und den Bedarf bis zum Jahres¬ ende auf über 34.000 Arbeitskräfte. Dagegen vermeldete der Saarbergbau zum gleichen Zeitpunkt einen Sofortbedarf von 300 Mann und einen Bedarf bis zum Jahresende von 761 Arbeitern.1 Der zweite Grund für die unterschiedliche Entwicklung an Ruhr und Saar ist selbstverständlich in der wegen der militärischen Lage des Saarlandes erfolgten Räumung der so genannten "roten Zone” und der damit einhergehenden Still¬ legung der innerhalb dieses militärischen Operationsgebietes gelegenen Schacht¬ anlagen der Gruppe West der Saargruben AG vom September 1939 bis zum Sommer 1940 zu suchen. Insgesamt wurden ca. 12.000 Saarbergleute, das war über ein Viertel der Saarbelegschaft, und ihre Familien zunächst nach Bergungs¬ gebieten in Thüringen und Hessen evakuiert.18 Etwas mehr als 2000 dieser Bergarbeiter wurden für den Ruhrbergbau dienstverpflichtet, nachdem man an 14 Ini Frühjahr 1939 legte der Ruhrbergbau ca. 2000 tschechische und slowakische Bergleu¬ te an. Außerdem kamen noch vor Kriegsbeginn ca. 2000 Jugoslawen, Ungarn und Polen an die Ruhr. Die Verhandlungen über die Anwerbung von 10.000 italienischen Arbeitern standen kurz vor dem Abschluss. Vgl. dazu einen Fragebogen Arbeitseinsatz im Ruhrbezirk vom Februar 1940 (BBA 13/1525) sowie Bruno Mantelli, Zwischen Strukturwandel auf dem Arbeitsmarkt und Kriegswirtschaft. Die Anwerbung der italienischen Arbeiter für das "Dritte Reich" und die Achse "Berlin-Rom”, in: Proletarier der "Achse". Sozialgeschichte der italienischen Fremdarbeit in NS-Deutschland 1937-1943, hrsg. von Cesare Bermani u.a. Berlin 1997, S. 253-391, hier S. 318-323. 15 Vgl. dazu Die Saarwirtschaft im Jahre 1938. Jahresbericht der Industrie- und Handels¬ kammer zu Saarbrücken, in: Saarptalzische Wirtschaftszeitung 44 (1939), S. 177-184; Emil Chandon, Wanderungsbewegung und Facharbeitermangel. Die Entwicklung im rheinisch- westfälischen Industriegebiet, in: Ruhr und Rhein Wirtschaftszeitung 20 (1939), S. 678-680. 16 Vgl. Bezirksgruppe Saar an Wirtschaftsgruppe Bergbau am 2.12.1938 (BBA 15/273). 17 Vgl. ein Schreiben der "Bergabteilung" des Reichswirtschaftsministeriums an das Reichs¬ arbeitsministerium vom 19.8.1939 (BBA 15/256). Zur Entwicklung des Arbeitsmarktes für den Saarbergbau vor Kriegsbeginn vgl. auch Mallmann u. Steffens (Anm. 8). 18 Vgl. dazu Hans-Walter Herrmann, Die Freimachung der Roten Zone 1939/40, in: Zeitschrift tur die Geschichte der Saargegend 32 ( 1984), S. 64-89. 217