laufenden Forschungen zu berichten und neue Fragestellungen zu erproben. Beleuchtet werden sollten unterschiedliche Dimensionen und Perspektiven der Industriekultur. Sowohl die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Rahmen¬ bedingungen industrieller Modernisierung als auch die anthropologischen Dimensionen der von Technisierung und Rationalisierung geprägten Lebens¬ welten waren einzubeziehen. Bilanz bisheriger und Perspektiven künftiger Forschung greifen in diesem Konzept ineinander.6 Einleitend erschließt Jürgen Reulecke in seinem Festvortrag zum 50. Jahrestag der Kommissionsgründung an den beiden Komplexen der Großstadtkritik und der bis ins III Reich ausstrahlenden Männerbundideologie um 1900 exem¬ plarisch die Ambivalenzen und Perzeptionen von Moderne und Fortschritt, das Spannungsverhältnis von Überlebens- und Zerstörungspotential, wie er mit Herbert Lüthy sagt. Damit steckt er ein weites anthropologisches und ideologi¬ sches Umfeld der Industriekultur ab. Vier große Themenbereiche wurden sodann als Zugang zum Thema gewählt: Erstens schafft die technische Entwicklung Rahmenbedingungen für die Lebens¬ welten einer Industrieregion. Heinz Quasten spannt aus geografischer und Hans- Walter Herrmann aus geschichtswissenschaftlicher Perspektive den Bogen der Techniken in der Montanindustrie vom ausgehenden 19. Jahrhundert bis zu deren Krise vor der Jahrtausendwende. Jacques Maas beleuchtet aus luxemburgi¬ scher Perspektive die sich daraus ergebenden grenzüberschreitenden Unter¬ nehm ensvemetzungen vor dem I. Weltkrieg: Modernisierungen wirken zwar nicht unbeeinflusst von politischen Grenzen, wie die drei Beiträge zeigen, aber sie wirken besonders stark über Grenzen hinweg. Vernetzungen erfassen einen weiten Fächer an Möglichkeiten, von technischen Kooperationen bis zu Unter¬ nehmenszusammenschlüssen. Die Bedingungen von Innovationsfähigkeit und Innovationsrückstand bilden eine der Leitfragen dieser Beiträge, für deren Beantwortung die vergleichende Perspektive unabdingbar ist. à rUniversité de Metz 9-10 décembre 1999, hrsg. von Jeanne-Marie Demarolle, Metz 2001 (= Bd. 22); Lorraine et Sarre depuis 1871 - Perspectives transfrontalières. Lothringen und Saarland seit 1871 - Grenzüberschreitende Perspektiven, hrsg. von Rainer Hudemann u. Alfred Wahl. Metz 2001 (= Bd. 23). Die Kommission für Saarländische Landesgeschichte rmd Volksforschung hat in ihren Veröffentlichungen in den letzten Jahren Zwischenbilanzen zu weiteren grenzüberschreiten¬ den Fragestellungen im europäischen Zusammenhang gezogen. Für das 19. und 20. Jahr¬ hundert gehören dazu: Grenzen und Grenzregionen. Frontières et régions frontalières. Borders and Border Régions, hrsg. von Wolfgang Haubrichs u. Reinhard Schneider. Saar¬ brücken 1994 (= Bd. 22); Sprachenpolitik in Grenzregionen. Politique linguistique dans les régions frontalières. Language Policy in Border Régions. Polityka jçzykowa na pogranic- zach, hrsg. von Roland Marti. Saarbrücken 1996 (= Bd. 29); "Grenzgänger", hrsg. von Reinhard Schneider. Saarbrücken 1998 (= Bd. 33); Grenzkultur - Mischkultur? Hrsg. von Roland Marti, Saarbrücken 2000 (= Bd, 35). Zahlreichen grenzüberschreitenden Themen widmeten sich das Institut für Landeskunde im Saarland in seiner Publications reihe imd, insbesondere in der Zs. für die Geschichte der Saargegend, der Historische Verein für die Saargegend. 13