mischen Druck des hegemonialen Zentrums aufgefaßt werden, wobei das Wabern zwischen verschiedenen Identifikationsangeboten als Ortslosigkeit an¬ gesehen werden kann, so wenn Scott sich zeitlebens nie zwischen der Zuge¬ hörigkeit zur presbyterianischen oder zur episkopalen Kirche entscheiden konnte: Nach seinem Tode wurden die Gottesdienste in Abbotsford sowohl von der Church of Scotland gehalten als auch von der Episcopal Church. Vielleicht ist es aber ein Zeichen des deutlichen Plädoyers für die Union, daß die Episcopal Church, welche der Anglikanischen Kirche nahesteht, die letzte Andacht am Grabe hielt. Als hybride Existenz wird Scott von allen verein¬ nahmt, ebenso wie sein Werk sich vielen Interpretationen öffnet. Waverley wird immer zwischen Anpassung und Subversion vermitteln und daß sich beides nicht ausschließt, zeigt in der jüngsten postkolonialen Theoriebildung die Vorliebe für Hybridisierungen und für die dislocation of culture aus der margi- nalisierten Drittweltperspektive bei Homi Bhabha oder Gayatri Spivack. Hybridisierung und Grenzüberschreitung kann aufgezwungen sein, sie kann aber auch die Artifizialität hegemonialer Grenzziehungen aufzeigen und die Grundlagen einer toleranten, föderalen Weltordnung anerkennen. Es ist zu hof¬ fen, daß die devolution nicht über Scotts Vermittlungsgesten hinweggeht, daß neueste politische Entwicklungen nicht ein hartes Urteil über Waverley fällen. Es gilt, trotz der Erfolge der Scottish National Party, von der Weltoffenheit Scotts zu lernen. Es gilt, das Augenzwinkern zu bewahren, mit dem die Inszenierung der Hochlandkultur auch heute von der Tourismusindustrie be¬ trieben wird, sowie die grundsätzliche Skepsis gegen fremdbestimmte Grenz¬ ziehungen und Hierarchien in einem jahrhundertelang marginalisierten Land. 328