I. Am 26. Juni 1097 trat das Heer der Kreuzfahrer von Nikäa2 aus seinen be¬ schwerlichen und verlustreichen Marsch durch Kleinasien an.3 Nur drei Tage später stellte sich ihm bei Doryläum das Heer des seldschukischen Sultans Kilig Arslan entgegen; es kam zur ersten großen und erbitterten Schlacht zwischen Kreuzfahrern und Muslimen.4 Erzbischof Wilhelm von Tyrus schrieb später über diese Schlacht: „Als die Türken über uns herfielen, verschossen sie eine so enorme Menge von Pfeilen, daß die Luft wie von einem Hagelschauer erfüllt war. In unseren Reihen gab es kaum jemanden, der nicht eine Wunde davontrug. Kaum war der erste Pfeilregen hemiedergegangen, folgte schon der nächste - nicht weniger dichte. Wer beim ersten unversehrt geblieben war, wurde nun verwundet. Für die Unseren war dies umso schwerer zu ertragen, als ihnen diese Art zu kämpfen unbekannt war. Sie sahen ihre Pferde fallen, ohne etwas dage¬ gen tun zu können, da sie selbst verwundet waren. Dennoch stürzten sich die Verschonten mit Schwert und Lanze auf den Feind und versuchten, ihn zurück¬ zuschlagen. Die Türken aber, nun ihrerseits nicht imstande, dieser Art von Angriff zu begegnen, öffneten ihre Reihen, um so den Anprall zu vermeiden. Daraufhin mußten die Unseren, die erfolglos ins Leere vorgestoßen waren, sich enttäuscht zurückziehen. Die Türken aber schlossen ihre Reihen wieder und überschütteten uns erneut mit einem Pfeilregen.“5 Anläßlich der Schlacht von Askalon 1105 schreibt Fulcher von Chartres, daß die Türken die Kreuzfahrer umzingelten und versuchten, sie von hinten zu fassen. Dabei verschossen sie zunächst einen Pfeilregen und gingen dann mit ihren Schwertern zum Nahkampf über.6 Als König Balduin I. 1110 gegen die Türken zog, die Edessa belagerten, wagten nach Fulcher von Chartres diese nicht, die Kreuzfahrer in offener Feldschlacht anzugreifen, da die Franken so hervorra¬ gend mit der Lanze umzugehen wüßten.7 Dieser Bericht und jener, den Fulcher vom Vorstoß König Balduins auf Damaskus im Jahre 1125 gibt, wo die Kreuzfahrer nach seinen Worten alles niederritten, was sich ihnen in den Weg stellte,8 deckt sich weitgehend mit den Schilderungen der Anna Komnena. Nach ihren Worten habe Kaiser Alexios die Franken gefürchtet, weil er die 2 Zur vergeblichen Belagerung durch die Kreuzfahrer und der schließlichen Einnahme von Nikäa durch die Byzantiner siehe zuletzt France, John: Victory in the East. A Military History of the First Crusade, Cambridge 1994, S. 160ff. 3 France (Anm. 2), S. 169. 4 France (Anm. 2), S. 170ff. 5 Wilhelm von Tyrus: Chronicon, hg. von R. B. C. Huygens, 2 Bde., Tumholt 1986 (Corpus Christianorum. Continuatio Mediaevalis 63 und 63 A), B 3. 15, S. 214f. 6 Fulcher von Chartres (Anm. 1), B 2 K 32.6, S. 498. 7 Fulcher von Chartres (Anm. 1), B 3 K 43.5, S. 540. 8 Fulcher von Chartres (Anm. 1), B 2 K 46.4, S. 774. 168