Die Grabtumba der Elisabeth von Nassau-Saarbrücken im Kontext zeitgenössischer Sepulkralkunst Christof Trepesch In den Jahren nach dem Tod der Elisabeth von Lothringen 1456 wurde mit der Errich¬ tung ihrer Grabtumba das erste monumentale Grabmal gräflicher Herkunft in St. Arnual aufgestellt1. Die Stiftskirche sollte von nun an für rund 200 Jahre als Grablege für das Nassau-Saarbrückische Grafenhaus dienen, für das im Laufe der Zeit eine Fülle wertvoller Grabmäler und Grabskulpturen angefertigt wurde. Anhand dieser Denkmäler wird die Entwicklung der Grabtypen und -Stile geradezu paradigmatisch vor Augen geführt2. Im Mittelpunkt des vorliegenden Beitrages steht die Tumba der Elisabeth von Lothringen, deren Typus und künstlerische Gestalt innerhalb der zeitgenössischen Sepulkralkunst ei¬ nen bestimmten Ort innehat, der im folgenden näher untersucht werden soll. Standort und Bestand Das sarkophagartige Grabmal, die Grabtumba, der Elisabeth von Lothringen (Abb.56) befindet sich inmitten des langen Chorschlauches der Stiftskirche, der in einer ersten Bauphase gegen Ende des 13. Jahrhunderts errichtet wurde3. Es ist davon auszugehen, daß die Tumba ursprünglich direkt über dem Bodengrab der Elisabeth errichtet wurde, das sich inmitten des Chors befindet. Im Laufe seiner Geschichte hat das Grabmal jedoch mehrfach seinen Platz gewechselt. Bei den großen Restaurierungsmaßnahmen in den 1880er Jahren wurde es in Richtung Osten geschoben, um im vorderen Chorbereich mehr Platz für den Gottesdienst zu erhal¬ ten. Weitere geringfügige Translozierungen könnten im Zusammenhang der mindestens 1 Der Zeitpunkt der Aufstellung ist ungewiß. Es sind keine Quellen zur Tumba nachzuweisen. Wichtigste Literatur: Zimmermann, Walther: Die Kunstdenkmäler der Stadt und des Landkreises Saarbrücken, Düsseldorf 1932, S. 160f.; Volkelt, Peter: „Die Tumba der Gräfin Elisabeth von Nassau-Saarbrücken in der Stifts¬ kirche zu St. Arnual“, in: Monatshefte für evangelische Kirchengeschichte des Rheinlandes 5 (1956), Heft 5/6, S. 77- 81; Ders.: „Elisabeth von Lothringen, Gräfin zu Nassau-Saarbrücken in Geschichte, Literatur und Bil¬ dender Kunst“, in: Zeitschrift für die Geschichte der Saargegend 6/7 (1956/57), S. 37-54; Ders.: „Die Tumba der Gräfin Elisabeth von Nassau-Saarbrücken in der Stiftskirche zu St. Arnual“, in: Heimatbrief für Püttlin¬ gen und Köllerbach 20 (1994), S. 60-65; Hofmann, Helga D.: Die lothringische Skulptur der Spätgotik (= Veröf¬ fentlichungen für Landeskunde des Saarlandes 7), Saarbrücken 1962, S. 144-146; Hauck, Marie-Luise: „Die Grabdenkmäler der Grafen von Nassau-Saarbrücken in der Stiftskirche St. Arnual und ihre Wap¬ pen“, in: Zschr Geschichte der Saargegend 19 (1971), S. 293-321, S. 300f. 2 Zimmermann (wie Anm. 1), S. 159-180; Hauck (wie Anm. 1). 3 Man errichtete aus baustatischen Gründen zunächst den Chor, dann die Seitenschiffe, den Turm (inschriftlich auf 1315 datiert) und schließlich das Langhaus (Ende 14. Jh.). - Zur Baugeschichte s. Herr¬ mann, Hans-Walter (Hg.): Die Stiftskirche St. Arnual in Saarbrücken (= Schriftenreihe des Vereins für Rheinische Kirchengeschichte Bd. 130), Köln 1998 (hier bes. der Beitrag von Hans-Günter und Kristine Marschall, S. 345-374). 623