Größe. Eng an den Bildrand gedrängt entwickelt sich der Reiterzug der Turnierteilnehmer und Zuschauer nach unten, wo er sich zu einer kaum noch differenzierten Masse zusam¬ menschließt. Nur die vorderen Figuren, vor allem der König, Florentine und Lewe heben sich vor dieser Massenfigur ab. Der Vortrupp, bestehend aus Knappen, einem Narren und Herolden, bewegt sich dagegen als eine Reihe von Einzelfiguren entlang des Weges auf das Stadttor zu. Diese Einzelfiguren wirken ebenso als Blickpunkte, wie die Akroba¬ ten auf dem Turnierplatz. Sie zeichnen den zweiten, für den Szenenzusammenhang wich¬ tigen Ort aus, nämlich den Weg auf das Stadttor zu, den Weg den der Reiterzug nehmen wird. Auf diese Weise sind Ausgangs- und Zielpunkt der Reiter, der Turnierplatz und das Stadttor, besonders hervorgehoben. Der Zug wird in einem ganz konkreten Sinn als auf dem Weg zwischen diesen beiden Orten gezeigt. Innerhalb der Stadtmauern findet er keine unmittelbare Fortsetzung. Das Konglomerat von Dächern und Häusern bildet vielmehr eine Zäsur, die die Szene von den anderen Teilszenen weiter oben formal abtrennt und damit auch eine inhaltliche Distanz zum Ausdruck bringt. Nach dieser Zäsur setzt die Bilderzählung in der Szene auf dem Palast¬ vorplatz wieder ein. In der Abfolge der Leserichtung von unten nach oben, die die Schrä¬ ge der Stadtmauer andeutet, folgt zwar zunächst eine andere Szene, der Weg der Festteil¬ nehmer zum Palast. Die Szene auf dem Palastvorplatz ist jedoch deutlich als die wichtige¬ re hervorgehoben. Zum einen setzen die gemusterten Stoffe vor den Häusern farbige Ak¬ zente. Zum anderen ist es vor allem die ungewöhnliche Größe der Hauptfiguren, die das Auge zuerst auf diese Szene lenkt. Die Übergabe des Dankes in Form einer goldenen Krone entwickelt sich über die ganze Breite des Palastplatzes. In der Mitte zwischen den beiden kleineren Figurengruppen der Höflinge rechts und der Turnierteilnehmer links ra¬ gen die Figuren des Königs und seiner Tochter in ihren langen Gewändern hoch auf. Die Bewegung auf Lewe zu konkretisiert sich in der Rockschleppe Florentines, die von einem Knappen in der rechten Gruppe gehalten wird. Lewe nimmt mit höfischem Kniefall und geneigtem Kopf die Krone des Dankes aus den Händen des Königs in Empfang. Der strenge, etwas formelhafte Aufbau der Szene entspricht ihrem zeremoniellen Charakter. In gleicher Ausrichtung, jedoch stärker nach vorne orientiert, bewegt sich der Festzug in der nächsten, sehr viel kleineren Szene auf den Palast zu. Die letzte Szene der Folge spielt im Inneren des Palasts, das durch zwei große Rundbogenöffnungen sichtbar wird. Der Wandpfeiler der rechten Ecke trennt den König auf der Treppe aus der vorigen Szene vom Geschehen im Innern ab. Die Teilnehmer des Banketts sitzen an Tischen entlang der Wand. Über dem unteren Rand der Wandöffnung werden gerade noch die Köpfe und ein Stück der Tische sichtbar. Durch diese Tieferlegung geben sie den Blick auf die hin- und hereilenden Diener und den Tisch des Königs frei. Im Sinne eines Bedeutungsmaßstabes ist dieser Tisch mit den Hauptpersonen an der Rückwand des Zimmers größer gegeben als die der übrigen Festteilnehmer. Lewe ist nochmals besonders ausgezeichnet, weil er sich unter der größeren Bogenöffnung befindet. Ein Diener reicht ihm gerade einen Be¬ cher. Florentine und ihr Vater sitzen unter dem kleineren Bogen. Ganz nach höfischer Sitte legt der Vater Florentine die Speisen vor. Trotz der geringen Größe dieser Szenen sind dem Maler solche Details wichtig. Dies zeigt sich auch in der Ausführlichkeit, mit der Nebenfiguren geschildert werden, beispielsweise der Truchseß, der die Diener beaufsich- 618